Die kleine Maja hätte beinahe laut aufgeweint.

„Mein Volk,“ schluchzte sie, „meine Heimat!“ Sie preßte ihre Hände in den Mund, um nicht zu schreien, ihre Verzweiflung war grenzenlos. „Ach, wäre ich gestorben, ehe ich dies hören mußte“, wimmerte sie. „Niemand wird die Meinen warnen. Sie werden im Schlaf überfallen und ermordet. O lieber Gott, tu ein Wunder, hilf mir, hilf mir und meinem Volk aus unserer Not.“

Im Saal wurden die Glühkäferchen ausgelöscht und aufgefressen. Es wurde langsam still in der Burg. An Maja schien niemand mehr zu denken.

Langsam kam ein schwaches Dämmerlicht in ihrem Kerker auf, und ihr war, als klänge von außen her das Nachtlied der Grillen. Nie war der Biene etwas furchtbarer erschienen, als dies Burgverließ mit seinen Totengerippen.

[ Vierzehntes Kapitel]

Die Flucht

Aber die Verzweiflung der kleinen Biene machte bald einer entschlossenen Besinnung Platz. Es war, als erinnerte sie sich wieder daran, daß sie eine Biene war. Hier sitze ich nun und weine und klage, dachte sie plötzlich, als ob ich nicht Gedanken und Kräfte hätte. O, ich mache meinem bedrohten Volk und meiner Königin wenig Ehre. Sterben muß ich doch, da will ich es wenigstens stolz und mutig tun und nichts unversucht lassen, die Meinen zu retten.

Es war, als vergäße sie ganz die lange Zeit der Trennung von den Ihren und der Heimat, sie fühlte sich ihnen zugehöriger als je, und die große Verantwortung, die plötzlich auf ihr ruhte, weil sie den Plan der Hornissen kannte, verlieh ihr große Entschlossenheit und viel Mut.

Müssen die Meinen unterliegen und sterben, so will ich es auch, dachte sie, aber vorher will ich nichts ungetan lassen, sie zu retten.

„Es lebe meine Königin!“ rief sie.