„Wenn du mir den Aufenthalt der Libelle Schnuck verrätst,“ sagte der Wächter und Maja sah, daß er mühsam sprach und am ganzen Körper zitterte, „so werde ich dich freigeben, dann kannst du fliegen, wohin du willst.“
„Werden Sie Wort halten?“
„Mein Ehrenwort als Räuber“, sagte der Wächter stolz.
Die kleine Maja konnte kaum sprechen. Kam es nicht auf jede einzelne Minute an, wenn sie die Ihren noch rechtzeitig vor dem Überfall warnen wollte? Aber ihr Herz jubelte.
„Gut“, sagte sie. „Ich glaube Ihnen. So hören Sie: Kennen Sie die alten Linden beim Schloß? Hinter ihnen ziehen sich viele Blumenwiesen hin und endlich kommt ein großer See. Im Seewinkel im Süden, wo der Bach einmündet, stehen in der Sonne die weißen Seerosen im Wasser. Dort im Schilf wohnt Schnuck, Sie finden sie jeden Mittag dort, wenn die Sonne hoch steht.“
Der Krieger hatte beide Hände an seine blasse Stirn gedrückt. Er schien schwer mit sich selbst zu kämpfen.
„Du hast recht“, sagte er leise und stöhnte so, daß man nicht sagen konnte, ob er Schmerz oder Freude empfand. „Sie hat mir erzählt, sie wollte zu weißen schwimmenden Blumen. Das werden die Blumen sein, von denen du gesprochen hast. So flieg denn, und hab’ Dank!“
Und wirklich trat er vom Eingang zurück. Draußen dämmerte der Tag herauf.
„Ein Räuber hält sein Wort“, sagte er. Er wußte nicht, was die kleine Maja in dieser Nacht in der Burg gehört hatte, und so dachte er: Was liegt an einer kleinen Biene, gibt es nicht genug andere?
„Leben Sie wohl“, rief Maja und flog davon, atemlos vor Hast und ohne ein Wort des Dankes. Es war wirklich keine Zeit mehr dazu.