»O nein,« antwortete der Elf, »wenn du glaubst, ich sei ein Engel, so hast du niemals einen gesehen. Die Engel sind groß und leuchten wie die Sonne am Mittag, niemand kann in ihr Angesicht schauen, der nicht das seine vom Irdischen abgewandt hat.«

»Nun, ich dachte, Sie wären vielleicht einer von den kleineren Sorten«, meinte Hassan schüchtern und bewegte seine schwarze Nase an der Spitze. Darüber mußte der Elf lachen.

»Das sieht ungemein lustig aus, wenn du mit der Nase wackelst,« sagte er, »das kann nicht jeder.«

»Mit der Nase erfahre ich, was ich nicht sehen kann«, sagte Hassan, sehr stolz darüber, daß der Elf so viel Anteil an seiner Eigenart nahm.

»Flügel hätte ich wohl auch gern,« seufzte er nach einer Weile, »aber wo sollte man sie anbringen?« Er schaute bewundernd und glücklich zum Elfen empor, der mit dem Finger an die Tauperlen stieß und zusah, wie sie funkelnd ins Gras niederbrachen.

»Große Tropfen, nicht wahr?« sagte er nachdenklich. Endlich meinte er und sah auf:

»Ich bin nun schon lange Zeit auf der Erde und habe vielerlei erfahren, auch unter Menschen bin ich gewesen und habe ihre Worte gehört und ihre Hoffnungen, ihren Kummer. Es ist seltsam, wie sie und auch du und die meisten Wesen über die Engel denken. Sie glauben kaum noch daran, daß es welche gibt, und sehen sie selten. Vielleicht im Traum oder im Todesschmerz, auch wohl in ihrer höchsten Beseligtheit, aber es ist, als ob sie vergessen hätten, daß die Engel immer unter ihnen einhergehen. Wie oft hat ein himmlischer Engel ein Geschöpf angesehen, und es ist es nicht gewahr geworden. Woran mag es liegen?«

»Ich weiß nicht«, sagte Hassan, der mit großer Spannung zuhörte. »Vielleicht liegt es an den Verhältnissen.«