»Mit solchen Worten scheucht man Kaninchen, du Tor, du hast vor Angst den Verstand verloren; komm heraus, wenn ich dich nicht in deinem Loch erwürgen soll wie eine Maus.«
Es blieb still. Der Fuchs stand so, daß er beide Ausgänge übersehen konnte. Diesen Augen und Ohren entging nichts. Der Elf empfand, daß kein Einspruch mehr nützen würde; hier war ein Haß entfesselt, der so alt war, wie das Leben selbst, und solchen Gewalten der Natur gegenüber gibt es kein Hindernis, sie toben sich aus wie die Gewitter, oder wie der Frühlingssturm, und wer nicht die Kraft hat, sein Leben im Kampf zu wahren, der muß es verlieren.
Gebannt von Entsetzen und Bewunderung sah er hinüber, und ohne daß er noch die Kraft besessen hätte, auch nur ein Wort über seine Lippen zu bringen, wurde er Zeuge des furchtbarsten Kampfes, den er jemals in seinem Leben gesehen hatte. Wohl war er nach allem Vorangegangenen auf einen Angriff gefaßt, auch ahnte er, daß er unversehens und plötzlich kommen würde, aber einen Überfall von solcher Wildheit, wie er nun jählings erfolgte, hatte er nicht für möglich gehalten.
Es schoß blitzschnell aus dem Dunkel der Höhle hervor wie ein niedriger Schatten, und nur an dem furchtbaren Anprall der beiden Körper erkannte er, daß dies heranstürmende Etwas ein Wesen von Fleisch und Blut war. Lange Zeit unterschied er nicht mehr als ein wildwogendes Knäuel, das sich ohne einen Laut, aber in unbeschreiblicher Erbitterung im Bodenlaub wälzte. Erst als die beiden Tiere sich für eine Weile losließen, wie um Atem für ein erneutes Ringen zu schöpfen, sah er, daß es ein Marder war, den der Fuchs aufgestört, und der ihn nun angefallen hatte.
Er sah kleiner und schmächtiger als der Fuchs aus, aber wie er jetzt dort im Laub hockte, an den Boden gedrückt, sprungbereit und den kleinen, bösen Kopf, in dem die Reihen der entblößten Zähne wie kleine weiße Sägen blitzten, bot er das Bild eines unheimlichen und einschüchternden Gegners, dessen Gewandtheit und Kraft unberechenbar erschienen, und dessen Raubsinn und Blutgier denen des Fuchses um nichts nachstanden, ja von noch größerer Tücke und Bosheit beherrscht sein mochten.
Wohl war der Fuchs größer und sein Gebiß war mächtiger, wie auch seine Körperkraft größer war, aber er bekam neben diesem geduckten Grimm seines Gegners beinahe etwas Harmloses. Der Elf konnte kein Auge von dem Marder wenden, er verstand den brennenden Haß, der diese beiden Tiere in eine ewige Feindschaft trieb, und jeder Versuch zu einer Versöhnung wäre einem kindlichen Vorhaben gleichgekommen.
»Einer von euch wird sterben«, stammelte er zitternd.
Der Fuchs stand unbeweglich, als wäre er aus Holz geschnitzt, nur seine Rückenhaare hatten sich gesträubt, und in seinen Augen funkelte ein Feuer, so inbrünstig von Wut entfacht, daß es unmöglich schien, hineinschauen zu können. Aber die Raubtierblicke des Marders hielten diesen Augen stand; den seinen, die wie zwei stille, gelbe Edelsteine unter der harten Stirn lagen, entging keine noch so kleine Regung des Gegners, ja es erschien, als errieten sie, wie zwei geisterhafte Spiegel, jeden Gedanken des anderen.
Dieser Augenblick der scheinbaren Ruhe war von höchster Spannung, es tat einem fast weh, in diesem Zustand der Erwartung verharren zu müssen, und man fühlte sein Blut in tausend kleinen Hämmern überall arbeiten.
Da, wie ein Pfeil, der aus dem Hinterhalt abgeschnellt wird, fuhr plötzlich von unten her der Marder aufs neue zu, und diesem tückischen Angriff gegenüber erkannte der Elf zum erstenmal die Erfahrenheit und Klugheit des Fuchses in ihrem ganzen Umfang. Statt auf die jähe angreifende Bewegung des Marders einzugehen, verharrte er bewegungslos, sich dessen bewußt, daß er seinen Gegner Rachen an Rachen nicht zu fürchten hatte, und daß der Marder nur auf eine ungeschickte Wendung gehofft hatte, um die Kehle seines Feindes durchbeißen zu können.