Es war lange still, nachdem er seine Geschichte beendet hatte, endlich fragte die Königin erstaunt und besorgt:
»Du sagst uns, die beiden Menschen seien glücklich gewesen, ich will es dir gerne glauben, aber wie kommt es, daß du darüber die aufgehende Sonne am Himmel nicht gewahr geworden bist? Das blendende Feuer der gewaltigen Sonne muß doch deine Sinne schon mit Angst erfüllt haben, als es sich am Horizont ankündigte, und da wäre es für dich noch Zeit gewesen.«
Der Elf erhob seine Arme, und seine Augen glänzten:
»Wie soll ich es dir beschreiben, mächtige Königin,« sagte er mit zitternder Stimme, »seit ich die Augen der beiden Menschen gesehen hatte, die sich im Glück ihrer Liebe umschlungen hielten, war mir ums Herz, als sei die ganze Erde hell. Ich habe geglaubt, das Licht käme aus ihren Herzen geströmt, wirklich ... und als ich dann aufschaute und die Morgensonne erblickte, war mir in meiner Verwirrung zumut, als käme alles Glück von ihrem Licht, und ich konnte nicht wie früher glauben, daß sie gefährlich und schrecklich sei. Ich vernahm um mich her die Stimmen der erwachenden Blumen und Tiere, und aus aller Mund klang der gleiche frohe Glaube.«
Da sprang die Königin auf und schlug vor ihrer Stirn die Hände zusammen vor Zorn und Trauer.
»Armes, verführtes Kind!« rief sie, »was hast du gegen das unvergängliche Dasein der Elfen eingetauscht! Weißt du denn nicht, daß alle Wesen, die der Sonne vertrauen, sterben müssen?«
Erschrocken über den Zorn der Königin trat der Elf ein wenig zurück.
»Das macht ja nichts ...« antwortete er schüchtern.
Es war wirklich so, als sollte in dieser Nacht im Reich der Elfen ein Wunder nach dem anderen geschehen. Die Königin stand plötzlich merkwürdig still, sie schien ihre ganze Sorge vergessen zu haben, und indem sie sich langsam mit großen Augen vorbeugte, sagte sie in höchstem Erstaunen:
»Wie, ist es wahr, du weinst? Seit wann kann ein Elf weinen?«