Als der Elf bei diesen Worten eine Pause machte, konnte ein Waldvogel, der ihm von einem Lindenzweig aus in atemloser Spannung gelauscht hatte, nicht länger an sich halten, und nun rief er laut:

»Vertrau’ der Sonne, lieber Elf! Es ist unsagbar schön in der himmlischen Sonne!«

Und wie eine Antwort auf diesen Ruf, erklang es tausendstimmig von allen Geschöpfen umher. »Es ist herrlich in der himmlischen Sonne!« Als ein einziges, jauchzendes Rauschen ging es durch den Blätterwald, durch die Gräser und Blumen hin, und es war auch nicht ein Tier, das nicht in überzeugtem Glauben in dieses Lob der Sonne einstimmte.

Aber das Lächeln, mit dem der Elf den Geschöpfen dankte, war bei allem Glück seiner Erwartungen doch von so großer schmerzvoller Traurigkeit, daß die alte Uku nachdenklich ihren Kopf schüttelte. Sie war in der Tat ein weiser Vogel, und sie verstand das Elfenkind.

»Hast du Heimweh nach deinem verlorenen Reich?« fragte sie herzlich.

Da sah der Elf zu ihr auf und nickte.

»Die Liebe hat dich an die Erde gebunden,« sagte Uku, »sie wird dich wieder lösen, Elfenkind.«

Erstaunt sah das kleine, helle Menschenwesen zu dem großen Vogel auf.

»Es ist wahr, was du sagst,« antwortete er, »aber die Liebe, die mich erlösen kann, muß weit größer sein als die, durch deren Schönheit ich meine alte Heimat verloren habe, das ist ein uraltes Gesetz des Elfenreichs, ach, traurig ist es, die Heimat zu verlieren! Wie soll ich jene Liebe finden, wann wird sie mir begegnen?«

Da schwieg Uku und sah sinnend in die helle Weltweite. Aber allen Tieren umher war, als müßten sie etwas tun, um dem Elfen seinen Aufenthalt auf der Waldwiese so angenehm wie möglich zu machen. Mit großem Eifer und in schöner Gemeinschaft machten sie sich ans Werk, ihm unter einer mächtigen Wurzel des Lindenbaums aus Moos und Federn eine kleine Wohnstätte herzurichten, sorgsam vor dem Regen geschützt und gegen die Morgensonne zu geöffnet.