Elias war vom Panther geholt worden.

Siebentes Kapitel
In den Bergen

Panja prüfte aufs neue das verfallene Haus, in dem ein Raum notdürftig für mich hergerichtet worden war, so daß er geschlossen werden konnte, da ich die Nacht ohne Feuer verbrachte.

„Willst du bleiben, Sahib, bis die großen Regen kommen?“

Ich wußte, daß dies nicht anging, und daß wir verloren sein würden, wenn die ersten Gewitter uns in den Bergen überraschten. Erfolglos versuchte ich die Zeit seit unsrer Abreise von Cannanore zu ermessen, es mochten vier, fünf oder sechs Monate vergangen sein.

Gurumahu war eines Morgens zu mir gekommen und hatte sich heimwehkrank gemeldet. Er trennte sich mit schwerem Herzen von uns, aber wenn er sein Dorf vor Anbruch der großen Regen erreichen wollte, so mußte er sich nun auf den Weg machen.

Ich schenkte ihm meine verlötete Tropenuhr aus Nickel. Das war gewiß an sich kein großes Geschenk, obgleich sie aufgeregt zu ticken verstand und bei trockener Witterung sogar ging, aber Guru nahm sie beglückt entgegen. Er wird künftig alles aus ihr ersehen, was sein Herz zu wissen begehrt: die Jahreszeiten, die Windrichtung und den Gang der Gestirne. –

Oft fehlte es uns am Nötigsten. Panjas besorgte Augen schreckten mich aus der Täuschung, in der ich mich dem Glauben hingab, daß die wohltuende, oft kühle Luft der Berge und der hochgemute Seelenzustand, wie er Genesende erfreut, zu hoffnungsvollem Blick in die Zukunft berechtigten. Unser Gepäck war zum größten Teil gerettet, nur unter den Nahrungsmitteln hatten die weißen Ameisen auf das furchtbarste gewütet, aber außer Panja und Pascha hatte ich nur noch zwei Träger aus Süd-Kanara bei mir, die uns unter großem Müheaufwand und oft unter Einsetzung ihres Lebens mit Reis und Früchten aus dem nächsten Dschungeldorf versahen. Die dortigen Bewohner hatten unsere Abhängigkeit von ihrer Leistung herausgebracht, und meine Geldvorräte schmolzen immer mehr zusammen, eine Tatsache, die Panja in stille Raserei brachte. Er schwor den Erpressern unten im Grünen Rache und versprach mehr als einmal, ihr Dorf in Brand zu stecken; meine Gleichgültigkeit führte ihn zu ernstlichen Ermahnungen:

„Sahib, du bist ein großer Herr, und du kannst tun, was du willst, aber du tust nichts. Die Tage verstreichen, einer nach dem andern, wie die Wasserwogen an der Meeresküste, sie lassen keine Spuren zurück und bringen immer das gleiche. Wer lebt so? Als wir in Anandapur waren, hast du die Brahminen verlacht, die den ganzen Tag in der Sonne liegen und den Tempelreis fressen, der ihr Anrecht ist, aber wie machst nun du es? Früher hast du alles in Büchern verzeichnet, was du sahst, und mich oft gefragt, aber nun tust du auch das nicht mehr, und die Bücher sind verbrannt.“