Wir erwiesen uns nun diesmal und künftig unser Verständnis füreinander dadurch, daß wir uns nach bestem Vermögen nachahmten, und so belustigend wir vielleicht dabei aufeinander gewirkt haben mögen, blieb mir doch eine Bekümmernis und eine leichte Melancholie im Sinn, wenn ich bedachte, wie groß und unüberbrückbar die Schranke war, die mich von Gong trennte.

Ich habe im Verlauf unserer Bekanntschaft die deutliche Beobachtung gemacht, daß Gong sich verstimmt zeigte, wenn ich einmal ausgeblieben war, und daß er sich ehrlich über meine kleinen Aufmerksamkeiten freute. Vielleicht mag ihn ein ähnlicher Gedanke bei seiner Betrachtung meiner Person bewegt haben. Er versuchte zu lernen und zu begreifen, was irgend sich für ihn verstehen ließ, und wenn es häufig auch nur bei der äußeren Gebärde blieb, so war doch auf beiden Seiten der Wunsch erkennbar, einander näherzukommen.

Zwar ließ er mich äußerlich niemals weiter an sich herankommen, als bis etwa auf fünf oder sechs Schritte. Sobald ich den Versuch machte, diesen Abstand zu verkürzen, hob er mit einem bedauernden Ablehnen die Hand und ergriff einen höheren Ast, um mir anzudeuten, welche Folgen mein Entgegenkommen haben würde.

Gong hatte im Laufe unserer Bekanntschaft alles gelernt, was sich mit den Augen von den Vornahmen eines Menschen begreifen läßt, er hat meinen Tropenhut auf dem Schädel gehabt, mein Taschentuch gebraucht, und er weiß wozu ein Messer gut ist. Er hat meine Notizbücher durchblättert und in meiner Hängematte geschaukelt, und er verstand die Bewegungen des An- und Ausziehens eines Rockes so täuschend nachzuahmen, als sei er von alters her gewohnt, Kleidung zu tragen.

Oft allerdings begriffen wir einander gar nicht, denn Gong wußte in seiner Sucht, mir gleich zu sein, bald kein Maß mehr zu halten, und verstimmte mich zuweilen empfindlich durch seine Nachahmungen, so daß ich mir lächerlich in meinen Bewegungen vorkam und den bestimmten Eindruck gewann, verspottet zu werden. Es mußte nun darüber nachgedacht werden, auf welche Art Gong eines Teils seiner Erziehung wieder zu entwöhnen war, denn es wurde von Tag zu Tag offenkundiger, daß sowohl er selbst, wie auch seine Gefährten, mich nicht mehr ernst nahmen und es an dem Respekt fehlen ließen, den ich glaubte beanspruchen zu dürfen. Die Tiere lachten geradezu, wenn ich kam. Zuweilen warteten sie morgens in Reih und Glied auf mich, um mich bei jeder Gelegenheit auszulachen. Sie stießen sich gegenseitig an, um sich aufmerksam zu machen, rieben sich vor Vergnügen die grauen Hände und schlugen sich auf die Schenkel, dabei quietschten sie in allen Tonarten, mißgönnten sich im nächsten Augenblick ein Glück, das sie einander noch vor kaum einer Minute zuerteilt hatten, und fühlten sich bei alledem auf eine Art wichtig, die auch bescheidenere Leute, als ich einer bin, ernstlich verdrossen hätte.

Ich war nirgends mehr allein, wo immer ich mich aufhielt, und selbst die Achtung vor meiner Büchse schwand von Tag zu Tag, da die Herren herausgebracht hatten, daß es mir auf Vögel und Rotwild ankam, und daß das wichtige Geschlecht der Affen völlig außer Gefahr war, geschädigt zu werden. War es mir aber einmal gelungen, irgendein kleineres Tier zu erbeuten, so warteten sie, bis ich die Büchse beiseite legte, und kamen herzu, wobei sie sich gebärdeten, als hätte ich diesen Erfolg einzig ihnen zu verdanken.

Am meisten ärgerte ich mich über ihre Vergeßlichkeit. Es war schändlich, wie wichtig sie sich bei einer Sache anstellen konnten, die ihrem Gedächtnis gleich darauf entglitt, als wäre sie nie in der Welt gewesen. Jeden Augenblick fiel ihnen etwas anderes ein, und immer beanspruchten sie, in ihrer neuen Pose völlig ernst genommen zu werden. Ich kam mir schließlich so vor, als sei ich in einer fremden Stadt ein zum Amüsement der Bürger geduldeter Sonderling, und begann an meiner Tier- und Weltbetrachtung ernstlich irrezuwerden.

So klagte ich Panja mein Leid. „Oh,“ sagte er, „die Affen! Wer wird sich mit den Affen einlassen, Sahib? Aber wenn du nur eine Heuschrecke erblickst, so wirst du schon sorgenvoll und redest sie an, und dann tust du so, als ob es dir antwortete, das Vieh. Wer aber mit Affen umgeht, hat bald den Eindruck, als sei sein eigener Schatten närrisch geworden, und den Schatten kann man nicht fangen.“

„Ich will Gong haben“, antwortete ich.

Panja dachte nach. „Ich habe als Kind manchen Affen in der Schlinge gefangen, und wenn der Affe, den du haben willst, dich kennt und kein Mißtrauen hegt, so kannst du ihn leicht fangen, wenn du ihm zuvor genau zeigst, wie man in eine Schlinge geht. Von diesem Kunststück lernt er nur die erste Hälfte, und wenn du rasch hinzuspringst, kannst du ihn greifen. Aber du mußt ihm mit der linken Hand entgegenkommen und ihn unversehens mit der rechten im Genick packen. Die alten Affen beißen, solange sie noch Hoffnung haben, entwischen zu können. Später denken sie nach und geben es auf.“