„Wir müssen Licht haben“, sagte ich leise zu Panja.

Dies wäre nur durch eine Fackel möglich gewesen, und ihr Schein hätte uns verraten. Wir wären unserem königlichen Gastgeber wohl kaum als sonderlich höflich erschienen, wenn er uns darüber ertappt hätte, wie wir sein häusliches Bereich nächtlicherweile durchforschten.

„Wenn wir warten, so werden wir sehen lernen“, meinte Panja. Die Sterne schienen sehr hell, ich hörte mein Herz klopfen und stand unentschlossen.

„Ist es ein Tier?“ fragte ich Panja.

Er sah mich überrascht an, als hätte er mich für unterrichtet gehalten und wundere sich nun über meine Frage.

„Ein Tier? Es ist ein Weib, das klagt“, sagte er. „Vielleicht hat die Liebe sie verwundet, vielleicht erleidet sie eine Strafe.“

Ein trüber Dunst, der den Atem benahm, schlug mir entgegen, als ich nun nahe an das Holzgitter herantrat. Meine Furcht war jenem gedankenlosen Mut der Empörung gewichen, der mit Panjas Worten in mir erwachen mußte. Ich hielt mich seitlich, um den schwachen Lichtschein auf die dunkle Öffnung fallen zu lassen. Das niedrige Häuschen war gemauert und glich einem vernachlässigten Stall.

„Wer ist dort?“ fragte ich auf kanaresisch. Panja stand dicht hinter mir. Da sah ich nach einer kurzen Weile bedrängten Wartens ein schmales Menschengesicht, merkwürdig farblos und von kranker Blässe, zwischen zwei Stäben des Gitters erscheinen. Rechts und links von dem schwarzen Haar, das gelöst niedersank, erblickte ich die erschreckend mageren Finger der Hände, die in der Höhe der Augen je einen Stab umklammerten. Diese Erscheinung war im nächtlichen Licht so grauenhaft in ihrer Verdammnis, als tauchte das Gesicht einer längst Verstorbenen aus der Gruft empor. Die großen dunklen Augen saugten die Nacht auf und gaben sie in lähmender Stille zurück. Mir war, als erlösche mein Herz, und ich taumelte und ergriff Panjas Arm.

„Komm, Sahib,“ sagte er, „wenn sie krank ist, so schleicht die Seuche in deine Glieder.“

„Ist sie krank?“