Sie antwortete kalt:

»Solch ein Klatsch würde mich niemals erreicht haben.« Und hingerissen von einer plötzlichen Erbitterung, die sie alles vergessen ließ, fuhr sie fort: »Sprechen Sie nicht von seiner Liebe zu Afra, zu diesem >jungen Ding<, wie Sie sagen. Sprechen Sie auch nicht von seinem Wert, ich will es nicht! Lassen Sie sich an seinen äußeren Gütern genügen ...«

Ein wildes Aufschluchzen beschloß ihre heißen Worte. Sie suchte nach einem Halt. Es bot sich ihr nichts als der Hals ihres Pferdes, so warf sie stürmisch den Arm um den Nacken des Tieres und schluchzte, am ganzen Körper bebend und von Scham, Wut und Bewegung geschüttelt, ohne Halt und so friedlos und aufgelöst fort, daß ihm in heißer Bedrängnis zumute war, als sei durch kein Heil von Menschenkraft je wieder etwas an diesem Unverständlichen gutzumachen, das sein ahnungsloses Herz an diesem Sommermorgen angerichtet hatte.

Und während er sich in großer Hilflosigkeit darum bemühte, das junge Mädchen zu beruhigen und den Grund ihres Leids zu erfahren, während er eine ungeordnete Fülle liebevoller und wirkungsloser Worte stammelte und sogar wagte, ihre Schulter mit seiner Hand zu berühren, dachte Afra mitten im Sturm ihrer aufgewühlten Gefühle plötzlich klar und bestimmt:

War es klug so, wie ich gehandelt habe? Ja, es war klug, und für ihn und für meine Stellung zu ihm war es zweifellos so richtig. Sie wußte nicht weshalb, wußte nicht, daß sie ein tiefes Gefühl von Schuld in das Herz dieses Mannes gesenkt hatte, den unermüdlichen Wunsch, die Schmach vor ihr abzudienen, in die er sie gestoßen hatte. Sie schluchzte leise fort, rührte sich nicht und lauschte. Über seine Worte mußte sie plötzlich lächeln, und sie schluchzte fort in der Bewegtheit des neuen Gefühls, von dem er nichts ahnte. Einmal, als das Pferd den Kopf senkte und hob, stieß ihre Schulter härter, als er es gewollt hatte, mit seiner Hand zusammen, die gar so gern ein wenig Beruhigung gebracht hätte.

Sie hob den Kopf und sah ihn an. Er trat sofort zurück.

»Ich bitte Sie, ich beschwöre Sie — verzeihen Sie mir«, sagte er. »Ich weiß nicht, ich weiß in der Tat nicht, was ich verfehlt habe und wie ich es gutmachen kann.«

»Ich bin Afra«, sagte sie und fuhr fort, ihn anzuschauen. Sie senkte den Blick nicht, als sei ihr alles unendlich wichtig, was sie ihm mit ihren Worten zu erkennen gegeben hatte und wie diese Offenbarung auf ihn wirkte. Und während er sie anstarrte, dachte sie: Ich kann mich jetzt unmöglich so gelassen zeigen, wie mir zumute ist, es würde die Hälfte dessen zerstören, was ich erreicht habe, er muß denken, ich wäre sehr verzweifelt. Denn Afra fühlte nach ihrer kurzen Erfahrung nun gut und für immer, daß dieser Mann sich nur schwer und mühsam mit den äußeren Erscheinungen des Lebens abzufinden wußte und mit den Frauen noch um vieles schwerer. Es schadet gewiß nicht, noch eine Weile recht traurig zu sein, dachte sie, und während er nun zu ihr sprach, gefaßter, ernst und sehr würdevoll, mußte sie hinter ihren Händen, die sie vor ihr Gesicht geschlagen hatte, lächeln. Sie genoß den Reiz der Erinnerung an ihre harten Worte ohne Falsch, denn von allem, was geschehen war, hatte sie nichts berechnet. Wenn er jetzt sähe, wie ich empfinde, so würde er mich verachten, dachte sie. Und dann wußte sie plötzlich, daß sie ihn ein wenig geringschätzte, weil er sich täuschen ließ, weil er nicht empfand, wie es um sie stand, und weil er es nie verstehen würde.

Es ist gut, allein zu sein, dachte sie, es macht stark.