An des Gegners Stirn klaffte ein breiter roter Spalt, aus dem zwei feine warme Strahlen spritzten —

»'raus!« sagt drüben der Paukarzt.

»Herr Unparteiischer, wir erklären die Abfuhr!«

Borgmann stampfte vor Wut mit dem Fuß, als der Paukarzt von hinten mit kräftigem Griff seine Stirn zusammenpreßte und ihn herumdrehte. Was half's?

»Silentium — Neo-Borussia erklärt Abfuhr nach anderthalb Minuten!«

Als Hans Thumser sich aus dem Schwall der Glückwünsche seiner Korpsbrüder losmachte und Ausschau hielt — war das Reiterpaar verschwunden.

»Gratuliere!« sagte Erbprinz Heribert. »Fabelhaft, lieber Thumser, meine vollste Bewunderung! Haben Sie übrigens die Buchner gesehen?! Vollkommen tadelloses Mädchen ...«

2.

Wenn Hans Thumser auf ein Glück wartete, so machte die Ungeduld ihn krank, verdarb ihm jede Minute mit zehrender Sehnsucht. So war es schon immer gewesen, solange er sich seiner erinnern konnte. Die letzten Wochen vor dem Weihnachtsfest, vor dem Beginn der Sommerfrische waren ihm stets eine endlose Tortur gewesen ... Und als er später begonnen hatte zu empfinden, daß nur die Stunden wahrhaft lebenswert seien, in denen er mit einem gewissen braunbezopften Menschenkind unter einem Dache weilen durfte ... da war alles, was zwischen diesen Stunden lag, nur wie ein unermeßlich langer, böser, dumpfer Traum und Alpdruck gewesen ...

Und so bedrückend, so angstumschnürt wälzten sich auch die Tage dahin, die Hansens Mensurtriumph noch von der Eröffnungsvorstellung des Meininger Gastspiels schieden. Er saß inmitten seiner Korpsbrüder, schwatzte und trank mit ihnen wie immer, ließ ihre Lobesbezeigungen mit der gleichen Gelassenheit über sich ergehen wie den boshaften Spott der Neider, es sei nur ein »Schweinedusel« gewesen, daß er den S. C. Fechter hinabgetan habe ... Er ließ auf offizieller Kneipe seine Füchse in die Kanne steigen, daß sie quietschten, und schrieb morgens bei Windscheid und Binding im Kolleg mit einem ganz ungewohnten, krampfhaften Eifer nach, als steure er auf ein Prädikatexamen los — — und all dies Tun blieb seiner Seele so fern, so fern ...