»Du sollst bekennen, daß Du ein elender, wortbrüchiger Bube bist ... Du sollst das Korpsband da abziehen ... Du verdienst nicht mehr, es zu tragen. Willst Du? Oder soll ich Dich dazu zwingen?«
Da straffte sich Hansens Gestalt aufs neue. Seine Fäuste ballten sich, als erwarteten sie den Angriff des Feindes — ja, des Feindes, denn was in den blauen Augen drüben düster flammte, war Feindschaft — Todfeindschaft ...
»Versuch's!« sagte er nur.
In diesem Augenblick ward die Tür zum Kneipzimmer hastig von drinnen aufgerissen, blendender Lichtglanz quoll hervor, und hinter der Tür, Kopf an Kopf, drängte sich das Korps: ein zu Tode erschrockenes Jungmännergesicht hinter dem andern, ganz hinten stand man auf Stühlen und Tischen, um das entsetzenerregende Schauspiel zu erreichen, wie da zwei Jünglinge, die einst die gleichen Farben getragen, auf Leben und Tod einander gegenüberstanden.
»Pilgram! Thumser!« schrie alles durcheinander, »um Gottes willen, was habt Ihr nur?!«
Gleichzeitig schlug mit gellendem Schrillen die Etagenklingel an, und gegen das Holz der Flurtür hämmerten matte Schläge, wie von einem zarten Kinderhändchen. Und wie ein Schrei klang draußen das wimmernde Flehen einer Frauenstimme:
»Herr Pilgram — tun Sie's nicht, Herr Pilgram!«
Mit halbem Blick nur überflog Valentin Pilgram die hervordrängende Schar der einstigen Korpsbrüder ... dann, als sei er noch allein mit dem Gegner Aug' in Auge, wandte er sich wieder zu ihm und wiederholte:
»Also noch einmal: Gibst Du es zu, daß Du ein elender Schelm bist? unwürdig des Bandes, das Du trägst?«
Mit eisiger Festigkeit hielt Hans Thumser des Feindes haßsprühenden Blick aus.