Ein Einfall! Das Museum! Das war zu dieser Stunde vielleicht noch geöffnet ...
Und Studiosus Borgmann tat etwas, was ihm in seinen fünf Semestern, die er in Leipzig zugebracht, noch niemals passiert war: Er ging ins Museum hinein, stieg die prächtige Marmortreppe hinan, schritt gleichgültig durch die Säle voll bemalter Lappen in goldenen Rahmen und versank in einem Plüschsofa des großen Oberlichtsaales ... Und sann, wie er die Sache deichseln könne, ohne seine Blamage eingestehen zu müssen.
Inzwischen saß Valentin Pilgram in regungslosem Warten in einer dunklen Ecke des Theaterrestaurants. Was werden würde? Nun das war ja ganz klar: Sowohl der Major als auch der Erbprinz, der die Charge eines Rittmeisters bekleidete, würden die militärisch korrekte Erklärung abgeben, daß sie die Tatsache der erfolgten Forderung ihrem zuständigen Ehrenrat unterbreiten würden ... Der würde dann einen formellen Ausgleichsversuch machen — wenn dieser, wie selbstverständlich, gescheitert wäre, würde der Erbprinz einen Ersatzmann stellen, einen möglichst fechtgewandten Offizier eines Gardekavallerieregiments ... Und dann stiegen eben die beiden Partien ... Na Himmel, das hatte man ja doch schon fünfmal durchgemacht — zwar nicht unter ganz gleich schweren Bedingungen ... Aber — na ja, Eisen ist Eisen, und fechten haben wir ja gottlob gelernt ...
Und dann ...
Valentin Pilgram versank in Träume ... Dann mußte irgend etwas kommen, etwas Schönes, von dem man sich keine rechte Vorstellung machen konnte. So ganz ohne Dank und Lohn würde man ihn doch nicht laufen lassen ...
Dank und Lohn? Aber wie?
Valentin Pilgram hatte bewiesen, daß er bereit war, sich jeden vors krumme Messer zu langen, der an dies Mädchen anders dachte denn an eine Heilige ... Und Heilige ... Wie belohnen sie denn?
Mit ihrer Gnade ... Mit Fürsprache im Himmel ...
Sie belohnen von ferne ... Mit Gaben, für die man sich auf Erden verdammt wenig kaufen kann ...
Na, und das wird ja auch wohl dein Fall sein, mein guter Valentin — nicht wahr?!