Die Berichte über das letzte Quartier, die Klagen über den miserabeln Fraß, die Renommistereien über Abenteuer mit den Bauernmädeln, das reichte nie weiter als eine knappe Meile. Dann bemächtigte sich der Kilometerstumpfsinn der marschierenden Kolonne, zumal dann das Gewicht des gepackten Affen allmählich immer fühlbarer wurde ...

Dann aber begann Hans Friesens gute Zeit.

Wie mutwillige Schwalben schossen dann seine Gedanken der Marschkolonne voraus ... strichen durch die regennassen Wälder zur Rechten und zur Linken, wo in der triefenden Feuchte zwischen vermodernden Baumstümpfen und Farndickichten ganze Kolonien grauer, gelber, violetter Pilze aus dem Boden gewachsen waren und mit ihren breiten Schirmdächern in lustigen Gruppen beisammen hockten ...

Aber weiter flatterten des Poeten Träume ... zurück zur Garnison ... um das blonde Haupt eines gewissen jungen Mädchens, das chargenmäßig in unerreichbarer Höhe über dem Unteroffizier stand, das er räumlich in weiter Ferne wähnte ... und das in Wirklichkeit, ohne daß Hans Friesen etwas davon ahnte, nur einen Tagemarsch weit in süßträumender Ferienruhe unter den rauschenden Hunsrückwäldern weilte ...

Und Hans Friesen dichtete.

Eine Strophe nach der andern fügte er zusammen ... feilte Zeile auf Zeile in Gedanken durch und sprach sie sich so oft vor, bis sie sich unvergeßlich seinem Hirn eingeprägt hatten, damit er sie am Abend blank und sauber in sein Dienstnotizbuch eintragen könne ... zwischen Vermerken über Brotempfang ... Kompagniebefehle ... Vorposteninstruktionen ...

Nun wiederholte er noch einmal die ersten Strophen des Gedichts, das ihm aus den triefenden Nebeln zugeweht war:

»Bist du die Oreade,

die lauschend hinterm Felsen schwieg?

bist du des Quells Najade,