Cäcilie warf dem Maler einen verstohlenen Blick zu. »Ja, sehn Sie, Herr Major,« sagte sie, »vielleicht hat Herr Flamberg etwas hinzugetan, etwas von seinem Eigenen, etwas, das wirklich mehr ist als ich, als mein Leben — aber das tun große, starke Künstler wohl immer, meine ich!«

»Das ist mir zu hoch,« sagte Sassenbach. »Ich kann mir nicht helfen — ich finde es nicht ähnlich! Es ist was dran, was mir bisher an Ihnen wenigstens niemals aufgefallen ist!«

»Was Ihnen vielleicht nicht aufgefallen ist, Herr von Sassenbach,« sagte langsam mit sinnendem Lächeln Frau Cäcilie, »darum ist aber noch nicht gesagt, daß es etwas Falsches ist ... vielleicht ist's auch doch nicht was Hinzugetanes ... vielleicht ist's doch etwas, was nur Sie nicht bemerkt haben, weil Sie mich nicht kennen ...«

»So, und Herr Flamberg, der ... der kennt Sie also besser, meine verehrte gnädige Frau?!«

Wiederum eine eisige Stille. Regungslos stand der ganze Kreis. Jeder fühlte: der gute Major hatte da in aller Harmlosigkeit etwas ausgesprochen, etwas, das — —

Der Oberst fühlte sich verpflichtet, einzurenken.

»Na, das ist doch selbstverständlich, lieber Sassenbach, daß ein Maler an ... an den Menschen, die er malt ... daß er da allerlei entdeckt ... was ... was wir gewöhnlichen Sterblichen nicht zu sehen bekommen ...«

Abermals befangenes Schweigen. Der Oberst bekam einen roten Kopf.

Cäciliens Lippen bebten. Sie litt bis ins Herz.

Gott, all diese plumpen Hände ... die höchste und zarteste Dinge berührten wie tappige Knabenpfoten holden Schmetterlingsschmelz ...