Niemand nahm auch nur mit einem Blick Abschied von dem Bilde, das da droben hing wie ein Gast aus heiligen Fernen ...

Mit kindlicher Eile stürmten die Herren hinunter, um nur ja nicht eine Rakete, nicht ein Feuerrad zu verlieren — oder war's die Hast, von dem Werk hinwegzukommen, das sie alle unheimlich, übergewaltig hatte ahnen lassen, daß ein Fremdling aus einer unbekannten, hoheitleuchtenden Welt in ihrer Mitte weilte, aus einer Welt, deren Lebensgesetze wirkten jenseits ihres Begreifens —? Und auch Frau Cäcilie war gegangen, hastig, ohne Abschied ...

Langsam, als letzter, schritt der Maler die Treppenstufen hinunter ...

Nun machte er plötzlich kehrt ... stieg langsam wieder empor ...

Er wollte einsamen Abschied nehmen ... Abschied von seinem Werk ... Abschied von der Sphäre, der es nun angehören sollte wie sein Urbild ... Abschied von der unerhofften süßschaurigen Schickung dieser acht Wochen ...

Er trat in das Herrenzimmer zurück, warf einen langen Blick in dem Raum umher.

Der Schwiegervater des Hauptmanns hatte das Schlößchen mit der ganzen Einrichtung gekauft. Das Zimmer trug noch nicht den Wesensstempel seines jetzigen Besitzers.

Inmitten des behaglichen, doch konventionellen Prunks war Cäciliens Bild das einzige besondere Stück, verlieh dem ganzen Raum sein Gepräge, beherrschte ihn.

Links von der Tür war eine Erkernische, dort ließ sich Martin in einen unergründlichen Ledersessel fallen. Sein ringsum forschendes Auge blieb an der Tür haften, die vorhin beim Eintreten offen gestanden ... die Frau Cäcilie ruhig geschlossen hatte ...

Ja, ja — da war das Allerheiligste der Gottheit, in deren Vorhof er hatte weilen dürfen —