Cäcilie fror —
Sie schauerte plötzlich zusammen, so heftig, daß der Oberst der neben ihr stand, sich überrascht zu ihr neigte.
»Gnädige Frau, Sie sollten sich in acht nehmen — es ist nicht mehr Sommer! Sie sind zu leicht gekleidet! Es kommt verdammt kühl von den Bergen herunter!«
Die Leutnants drängten sich heran, bereit, der Hausfrau eine wärmende Umhüllung zu holen.
»Danke Ihnen tausendmal, meine Herren, Sie würden doch nicht finden, was ich brauche! — Übrigens muß ich mich ohnehin mal um die Damen bekümmern — ich weiß gar nicht, wo die eigentlich stecken! Verzeihen Sie einen Moment, meine Herren!«
Gott sei Dank, daß sich ein Anlaß fand, einen Augenblick zu verschwinden! — Nur ein paar Minuten allein sein ... nur rasch einmal die schmerzende Stirn, die brennenden Lider mit einem feuchten Tuch kühlen ... nur ein paar Minuten still im Dunkeln sitzen und die Augen schließen ... allein sein ... ganz allein ...
Cäcilie schritt durch den Speisesaal, wo die drei dienstfreien Burschen leise mit den beiden Mädchen schwatzten, befahl, daß Bier herumgereicht werden solle, und stieg langsam, schleppenden Schritts, zum Oberstock empor.
Es trieb sie, sich langhin aufs Bett zu werfen und den Kopf tief, tief in die Kissen hineinzuwühlen.
Mit müdem Griff öffnete sie die Klinke zu ihres Mannes Zimmer und fuhr nervös zusammen, als statt der erwarteten Dunkelheit der volle Glanz des elektrischen Lüsters ihr entgegenströmte, der sie für einen Augenblick blendete.
Natürlich hab' ich vergessen, das Licht auszudrehen vorhin, dachte sie und griff mechanisch nach dem Schalter rechts von der Tür —