Aus dem Himmel im Osten fließt hellflüssiges Gold über schwarze Wolken und dunkle Erde. Ein Rosenschimmer schwebt in den Jungtrieben der Birkenkronen. Ein Wölklein frisches Grün hängt fern und nah in den Wipfeln über der schwarzen Erde. Der zweite Kriegsfrühling hebt an. Der Sturm geht über die Gräber in Polen.
Es weht ein Sturm aus West, aus West,
Heimatwind, Gotteswind,
Der Kreuz und Kranz erbeben läßt,
Wo er ein Grab in Polen find't.
Es klagt und klagt der Sturm aus West:
Weh, deutscher Erde Kind!
Was hält dich Polens Erde fest?
Die deutsche Erde kühlt so lind,
Dich kühlt sie nicht!
Der Sturm aus Westen klingt und klagt:
Hätt' ich Kraft, hätt' ich Kraft,
Ich hätte wie eine Kindesmagd
Dich längst in meinen Arm gerafft!
Kann's nicht, kann's nicht, Gott sei's geklagt!
Hätt' ich Kraft, hätt' ich Kraft,
Ich hätte euch auf nächtiger Jagd
Eine Handvoll Heimaterde geschafft
Zu Kranz und Grab!
Es fährt ein Sturm aus Ost, aus Ost,
Gräberwind, Gotteswind:
Du liebe Heimat, sei getrost!
Wir bleiben deiner Erde Kind …
Von allen Gräbern weht's aus Ost:
Erde ist immer lind.
Erde, aus Heimaterde entsproßt,
Wir selbst nur Heimaterde sind,
Fürchtet euch nicht! –
[Ein Nachwort]
Sommer und Winter kamen und gingen. Russenstürme zerschellten vor den Hindernissen. Unerschüttert hielt das deutsche Ostheer in seinen Gräben. Und wieder monatelange stille Wacht hinter Brustwehr und Drahtverhau. –