2) Leopold Schwarzschild in seinem "Tagebuch" war einer der ausgesprochendsten Gegner, siehe "Die letzten Jahre vor Hitler", Auszüge aus dem Tagebuch 1929/33 mit Vorwort von Golo Mann. Der frühere Staatssekretär Hans Schaeffer nennt als Hauptursache von Brünings Deflationspolitik die Zwangsvorschriften für deutsche Wirtschaftspolitik, die in den Dawesund Youngplanabkommen festgelegt waren, ohne deren Einhaltung Brüning niemals hoffen konnte, die wirtschaftlich absolut notwendige Stundung weiterer Reparationszahlungen zu erreichen. Unter heutigen Historikern gibt es aber auch den Vorwurf, daß Brüning die schrecklichen Auswirkungen seiner Deflationspolitik gar nicht bereute, er sah sie nicht nur als wirtschaftstheoretisch unvermeidlich an, sondern Verarmung, steigende Arbeitslosigkeit, ja sogar politische Unruhe in Deutschland schienen ihm gute Mittel, die Alliierten von der Undurchführbarkeit weiterer Reparationszahlungen zu überzeugen, und dadurch die Revision des Versailler Vertrages einen Schritt weiterzubringen (s. Graml.S245/ 6). Ich erinnere mich nicht, daß es solchen Verdacht oder Vorwürfe schon damals gab. Man findet ihn auch heute nicht z.B. bei Martin Broszat in seiner Darstellung von Brünings Politik in "Die Machtergreifung" S.132/4.

3) Die Vorgänge, die schon nach weiteren acht Monaten zur Machtergreifung Hitlers führten, wurden früh eingehend dargestellt von Karl Dietrich Bracher "Die Auflösung der Weimarer Republik", S. 529f. Auf den neuesten Stand der Forschung und Meinungsbildung bringt Martin Broszat "Die Machtergreifung" DTV 1984­(1987). Siehe auch Kurt Sontheimer "Deutschland zwischen Demokratie und Antidemokratie", besonders sein Aufsatz über den "Tatkreis" S.56f., ferner Ebbo Demant "Hans Zehrer als politischer Publizist" S.84f.

4) Bracher S.644.

5) Bracher S.645.

6) Sontheimer S.81.

7) Schwarzschild in seinem Artikel im "Tagebuch" vom 31.12.1932 und in Golo Mann's Vorwort S.28/29.

8) August Rathmann "Ein Arbeiterleben" (Wuppertal 1983) S.182/3.

9) siehe auch Heinrich August Winkler über diese "Gratwanderung" in seiner Besprechung von August Rathmanns Buch in die "Zeit".

10) Bracher S.681.

11) dazu Bracher S.699 und Golo Mann bei Schwarzschild S.29 "sie haben Schwarzschilds Rat, die Regentschaft zu dulden, ja ihr nach Kräften zu helfen und so ihr eine breite Basis zu geben, nicht beherzigt…".