Stundenlang saß er allein am Waldrand, von dem der Blick hinüberschweifen konnte über Täler und Höhen nach der Stelle, wo sein Kind ruhte.

Ein starrer Zug stand auf seinem Gesichte, und die Augen sahen einwärts in verzehrendem Feuer.

Nie sprach er das in Worten aus, was in ihm vorging. Nur hier und da nickte er aus solchen Stimmungen heraus Hilde zu. Es war ein stummes Trostsprechen, daß er wieder anders werden wollte; man sollte ihm nur Zeit lassen, sich zurechtzufinden.

Dann gingen sie stumm nebeneinander durch den träumenden Wald nach Hause.

Das Zimmer, das Leo in den Ferien stets bewohnt hatte, betrat er nicht.

Zu lebhaft standen noch die Erinnerungen der letzten Wochen im Vordergrund.

Oft preßte er die Hände an die Ohren, damit endlich daraus der Klang der polternden Schollen weiche, die auf Leos Sarg hämmerten und seine Ruhe störten. Noch immer hörte er Heinz Behrens' ungeschlachte Stimme:

»Du tust mir leid, Tiedemann, du hast Unglück in deiner Familie; er war ein lieber Mensch, und meine Kleine kann sich kaum trösten.« Dann hatte er mit seiner groben Hand die Tränen aus den buschigen Wimpern gewischt und war gegangen.

Jan Wolny hatte stumm daneben gestanden mit zusammengepreßten Lippen, den Kopf gesenkt. Nur als Hilde aufschluchzte in bitterem Schmerze, hatte er aufgesehen, und sein Blick war zu Fred Tiedemann hinübergeflogen, fragend und mahnend.

Fürst Solt hatte ein paar Worte gesprochen, eckig und schlicht, wie der Mensch so schwach sei und einen nach dem anderen fallen sehen müßte, bis er selbst daran käme. Er war der letzte seiner Familie und ihm traten die Tränen in die Augen.