Arbeitszimmer im Gartenhause.
Zeichnung von Otto Rasch.


GRÖSSERES BILD

Die Räume des Gartenhauses

Wir sind nicht wenig erstaunt, wenn wir das Häuschen betreten, das sieben Jahre hindurch dem Busenfreunde des Landesherrn, dem weithin berühmten Dichter, dem Herrn Geheimden Rat als Wohnung diente. So bescheiden hätten wir es uns doch nicht vorgestellt! Unten ist gar kein bewohnbares Zimmer; höchstens kann man einen Raum, an dessen Wänden Pläne von Rom hängen, im Sommer wegen seiner Kühle schätzen. Oben sind drei Stuben und ein Kabinettchen, alle klein und niedrig, mit bescheidenen Fensterchen und schlichten Möbeln; zuerst ein Empfangszimmer mit harten, steifen Stühlen, dann das Arbeitszimmer mit kleinem Schreibtisch, daranschließend ein Bücherzimmer, und zuletzt das Schlafstübchen, in dem noch die Bettstelle aus Holz, Drell und Bindfaden steht, die in drei Teile zusammengeklappt und so als – Koffer auf die Reise mitgenommen werden konnte. Draußen im Garten kann es uns viel besser gefallen als im engen Häuschen; da sieht man, wie in den Rosen, die seine Fenster umranken, Hänflinge und Grasmücken nisten; da blühen die Malven, Lilien und Kaiserkronen; hohe Bäume stehen in flüsternden Gruppen zusammen, und in ihrem Schatten genießen wir den Blick auf das anmutige Flußtal.

Es ist eine herrliche Empfindung, da haußen im Feld allein zu sitzen. Morgens früh, wie schön! Alles ist so still. Ich höre nur meine Uhr tacken und den Wald und das Wehr von ferne.[2]

Das Schloß und die Stadt waren nahe, aber die Bäume des Parks verdeckten sie. Es war, „als sei man in der Nähe eines Waldes, der sich stundenweit ausdehnt. Man denkt, es müsse jeden Augenblick ein Hirsch, ein Reh auf der Wiesenfläche hervorkommen. Man fühlt sich in den Frieden tiefer Natureinsamkeit versetzt, denn die große Stille ist oft durch nichts unterbrochen als durch die einsamen Töne der Amsel oder durch den pausenweise abwechselnden Gesang einer Walddrossel.“[3] Hier (auf dem Altan, der später abgerissen wurde) liebte der junge Goethe, in seinen Mantel gehüllt, die Sommernacht zu verschlafen oder, wenn der Schlaf ihn floh, zu den Sternen hinaufzuschauen:

Euch bedaur’ ich, unglückselge Sterne,

Die ihr schön seid und so herrlich scheinet.

Denn ihr liebt nicht, kanntet nie die Liebe!