Sie selbst eine mittelgroße, ziemlich beleibte Dame mit spitzer Nase, kleinen Augen, das Gesicht gepudert, die ergrauenden Haare glatt emporgeknotet, — der Herr Gemahl ein kleiner Berliner Grünkrambesitzer, dessen erste Äußerung darin bestand, daß er sich ein Glas Bier erbat.

Wir nahmen in langer Kette um den Tisch, auf dem die Lampe stand, Platz, leider, wie Frau Töpfer sogleich bemerkte, auf tiefen Sesseln, die für solche Sitzungen höchst ungeeignet seien.

Die Luft, so wurde im übrigen zugestanden, sei bereits stark „mediumisiert“, es müßten „kräftige Naturen“ unter uns sein.

In der Tat begann es denn auch, da wir kaum einen Augenblick unsere Hände auf den Tisch gelegt, sehr vernehmlich irgendwo zu pochen, bald dumpf, bald lauter, und die Täuschung, der das Gehör in Bezug auf die Richtung des Schalls unterlag, war eine vollkommene. Der eine riet auf die Wand hinter dem Rücken der Frau Töpfer, ein andrer auf den Ofen, bisweilen schienen die ganz dumpfen Laute sogar aus dem Nebenzimmer zu kommen.

Man muß dieses Klopfen im eigenen Zimmer mit Muße durchprobiert haben, um die Erkenntnis zu erlangen, daß das falsche Lokalisieren die Regel ist, und daß verschieden starke Pochlaute, die unmittelbar vor uns unter dem Tisch erzeugt werden, in Wahrheit aus den verschiedensten Richtungen und Entfernungen zu kommen scheinen.

Ich glaube, jeder empfand im Moment, daß Frau Töpfer die Sache äußerst geschickt mache, aber nichts sprach dagegen, daß sie die einzige — allerdings bewußt täuschende — Quelle dieser Geisterstimmen sei. Ihre eigenen Füße wie die ihres Mannes waren unsichtbar unter der Tischplatte verborgen, dank dem festen Kettebilden aller, und ob sie sonst noch besondere Apparate unter den Kleidern verborgen trug, war selbstverständlich erst recht nicht zu ermitteln.

Unsre Mienen mochten das denn auch ziemlich deutlich erkennen lassen, denn nach dem günstigen Anfang trat eine Stockung ein, die Pochlaute blieben dumpf und undeutlich, die Frau erklärte: „So kann ich’s nicht leiden! Dabei wird mir’s unheimlich!“

Der Tisch machte plötzlich zur Abwechslung einen Ruck auf Wille zu (Frau Töpfer schob zweifellos kräftig mit dem Fuße), aber auch hier schien der rechte Mut zu mangeln, vor allem hob sich der Tisch keineswegs empor, wie es sonst in Sitzungen bei dem Medium nach O.s Aussage überraschend zu gelingen pflegte.

Nunmehr ergriff aber der Gemahl das Wort, er schalt auf die Geister energisch ein und rief endlich im derbsten Tone: „Na, wollt Ihr jetzt oder nicht? Ich verlange, daß Ihr Euch jetzt anständig betragt und was tut, sonst warten wir nicht mehr.“ Er wurde so grob, daß die Frau ihn beschwichtigen mußte. „Laß doch, sie werden sonst ganz böse.“

Wozu diese ganze Posse diente, weiß ich nicht. Jedenfalls wirkte sie auf uns unsäglich lächerlich und als das beste Mittel, jede ernsthafte Stimmung dauernd zu zerstören.