Und ich dachte an die kleinen frierenden, hungernden Vögelchen in diesem Walde, — und daß diese Menschen auf ihre Fensterschwelle Brodkrumen streuen würden, um sie zu sättigen. So weit waltete auch die Liebe schon.
Es lohnte sich doch noch, ein neues Jahr anzufangen ...
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(Friedrichshagen. Vor-Ostern.)
Über die Wasserfläche geht ein schwerer, kalter Wind.
Alles liegt in schwarz und braun, der Frühling scheint noch einmal erstorben.
Langsam, wie zähe erdfarbige Schollen, treiben die braunen Wellen vorbei. Bisweilen ist mir, als schaute ich nicht auf einen See, sondern auf tief zerpflügtes Ackerland. Und durch die Scholle schimmert es auf Momente wie Bernstein durch. Dann meint das Auge den verlorensten Grund zu fassen: gelbe Sandbänke der Tiefe, auf denen die Muscheln und die Kiesel unablässig mitrollen, oder gespenstische schwarze Streifen Moor. Die Wassersäule scheint plötzlich anzusteigen, sich zu heben von unten, bis sie platzt und einen Fächer weißer Gischt wirft. Doch der Blick folgt wieder der Fläche und nun ist es doch bloß das endlose einförmige Spiel, der flache Zug vor dem Winde, Scholle um Scholle, eine unabsehbare vorbeirollende halbstarre und doch bewegte Masse, vorne am Lande tiefbraun, je mehr nach draußen desto mehr ganz starr und schiefergrau, bis die Berge drüben darauf liegen wie eine nasse graugrüne Nebelwolke. Ein paar Krähen schweben geisterhaft kohlschwarz zwischen Himmel und Erde, spähend über den Wassern wie Raubvögel, unbekümmert um den leise heulenden, schneidend eisigen Wind. Am Ufer knistern die Erlen, wenn die Welle in das Stelzwerk ihrer ausgewaschenen Wurzeln schlägt.
An solchem Tage kommt der Frühling selbst wie ein düsteres Geheimnis. Der schwärzeste Moorgrund der Dinge ist bewegt. Was wird er ans Ufer spülen?
„Wir sind umgeben von Geheimnissen.“
Sagt Goethe.