Glaube wurde verlangt, Beweise nicht mehr für nötig erachtet.

Und anderthalb Jahrtausende hielt sich das wirklich so in einer notdürftigen Balance.

Aber jene innere Logik der Dinge, die alle Sozialwerte, auch die scheinbar fest errungenen, immer wieder durchsiebt, mußte langsam endlich durchsickern lassen, wie sehr in diesem überlieferten Glaubenswerte die Gefahr eben doch einer bloß subjektiven Annahme, sagen wir: einer Hallucination, steckte. Mochte es die Hallucination einer ganzen Kulturepoche sein. Auch solche werden, wie gesagt, schließlich ausgemerzt, wenn die Kultur weiter steigt.

Um den Sozialwert der biblischen Menschengeschichte und Menschenauffassung dauernd und in immer wirklichkeits-energischere Zeiten hineinzuretten, mußte man ihn schließlich doch mit gewöhnlichen Wirklichkeitswerten wieder zu stützen versuchen.

Der Glaube suchte endlich doch einen Halt bei der Forschung.

Es ist aber im ganzen achtzehnten Jahrhundert schon ein öffentliches Geheimnis der besten Köpfe, daß dieser Rettungsversuch scheitern müsse.

Es war unmöglich, wirkliche Tatsachengründe, die jeder greifen konnte, für die Bibeltradition zu finden.

Der biblische Gott in seiner Gestalt eines bloß vergrößerten Übermenschen, Adam und Eva, das Paradies, der Sündenfall, Noahs Arche in der Flut, sie verschwebten im Blau, unfaßbar, ohne Akten und Siegel im Sinne sonstiger greifbarer Tatsachengeschichte, im Sinne von „Wirklichkeit“.

Dieses Ergebnis war ja zunächst ein rein negatives.

Und im Zeichen dieses Negativen steht das ganze achtzehnte Jahrhundert.