Ich klappe das Bilderbuch wieder zu. Schon hört man aus anderen Gegenden Frankreichs von ähnlichen „illustrierten Höhlen“. Aus Spanien ist bereits eine bekannt. Wer ahnt, wie viele wir jetzt noch finden werden, da der Blick dafür geschärft ist, auf die Suche geht!

Wir stehen jedenfalls erst im Anfang der Veröffentlichungen, wahrscheinlich erst auch in dem der Entdeckungen.

Wieder einmal erwächst vor uns das Unwahrscheinlichste als das Wahre: die Mammut-Zeit in Bildern aus der Zeit.

Und wieder einmal erscheint der Mensch schließlich als das Größte in allem. Ich frage mich: wo ist diese Größe auf ihrem Gipfel: bei ihm, der schon als Mammut-Jäger diese Bilderchronik in die Wände enger Höhlen grub — oder bei ihm, der mit wissenschaftlicher Kenntnis von diesem Mammut heute, nach vielen Jahrtausenden, in diese Höhlen dringt und vor dem Bilde ruft: Das ist es!

Schließlich wird die Höhe doch bei ihr liegen, der Ewig-Proteischen, die in ihm damals war und heute ist, die in der Kunst und im Menschen und im Mammut war.

Und wie ich mich in diese stille Höhle träume, wo das Licht der Kerze auf den unberührten Bildern dieser unsagbar fern verschollenen Kunststunde glänzt, ist es mir, als streife mich durch die heiße Pfingstnacht der glühende Atem ihrer rastlosen Liebe, die unablässig zeugt und zeugt durch die Äonen, — die Goethe spürte, als er sang:

„In der Liebesnächte Kühlung,

Die dich zeugte, wo du zeugtest,

Überfällt dich fremde Fühlung,

Wenn die stille Kerze leuchtet.“