Auf der einen Seite fragt sich, wem dieses ungeheure, uns selber allenthalben zunächst angehende „außernaturwissenschaftliche“ Feld denn in der geistigen Arbeitsteilung ausgeliefert werden soll.

Auf der andern Seite ist fest damit ausgemacht, daß die Naturerkenntnis uns niemals zu einer Weltanschauung führen kann, denn mit einer solchen Lücke umfaßt und deutet man keine „Welt“.

Virchow für sein Teil entschied die erste Frage durch Auslieferung des ganzen Bewußtseinsgebiets an „herrschende“ Mächte wie Kirche und Staat zu beliebigem Gebrauch; die zweite durch eine tatsächliche Achterklärung über jedes Reden von Weltanschauung innerhalb der Naturforschung. Dubois ließ es bei der heroischen Bekennerstellung, dem an sich vollkommen ehrlichen „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ bewenden, konnte aber nicht hindern, daß die Gegner jedes Versuchs eines naturwissenschaftlichen Weltbildes an Stelle des alten kirchlichen sein Bekenntnis nur noch energischer und extremer ausnutzten und ausnutzen in jenem reaktionären Sinne einer Umkehr zum Kirchendogma und einer Bankerotterklärung jeder echten Weltanschauung auf dem Wege der Naturforschung und Naturerkenntnis.

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So stehen diese beiden großen Gestalten im Ausgang des 19. Jahrhunderts vor uns als Exempel schließlich des gleichen Irrweges.

Beide sind gescheitert im Experiment einer idealistischen Natur-Definition, mit der der ganze Mensch mit all seinem Können und Sehnen wieder leben könnte, und beide haben letzten Endes nur fortgelenkt von dem großen Ziel einer wirklich positiven Natur-Anschauung als der neuen, uns alle wieder erfüllenden und befriedigenden Welt-Anschauung.

Lassen wir es uns noch einmal fest gesagt sein: es ist nichts mit einer solchen Weltanschauung, solange wir beständig uns etwas abziehen sollen.

Nie und nimmer kommen wir mit der „Natur“ zu einer Weltanschauung, wenn wir die Menschen erst gewöhnen wollen, etwas aufzugeben, sich an etwas Halbes, Lückenhaftes, Fragmentarisches anzupassen.

Eine neue Weltanschauung kann immer nur siegen, indem sie etwas mehr gibt, als alle früheren, indem sie sie alle umgreift und überbietet.

Das ist der verhängnisvolle Irrtum, der uns aus den negativen Kämpfen gegen das Alte heute noch nachschleift: daß wir fortan in einer kahleren, einer kälteren, einer selber vom Negativen allenthalben eroberten Weltanschauung hausen sollten.