Es ist ein altes Wort, daß in aller Intelligenz, auf so verschiedenen Welten unseres Alls sie nun erblühe, immer gewisse mathematische Grundanschauungen gemeinsam sein müßten. Ein Mensch der Erde und ein Intelligenzwesen des Orion würden sich in einer Sprache sofort verstehen: nämlich, daß die Summe der Winkel im Dreieck gleich zwei rechten sei, oder daß der pythagoreische Lehrsatz gelte. In diesem Worte liegt ein tiefes Heil. Denn zu diesem ewigen Gemeingut muß auf einer bestimmten Stufe zweifellos auch der schlichte, der wirklich mathematisch schlichte Kerngedanke der Menschenliebe gehören: der ganz einfache Schluß, daß wir alle weiter kommen, wenn wir uns nicht totschlagen und auffressen; daß wir das Schlechte besser ausrotten durch tätige Gegenliebe als durch Haß; daß wir groß sind, menschheitsgroß, weltengroß, wenn wir in allen uns selbst sehen, winzig, ein Stäubchen im Sturm, wenn wir uns trotzig isolieren.
Wenn die Wesen von Milliarden Sternen sich nie begegnen werden (was wir ja auch nicht wissen, schließlich!) — milliardenmal müssen sie doch in jedem System, auf jeder rollenden Kugel für sich diese schlichte Gesetzmäßigkeit des Evangeliums finden, so gut wie sie den pythagoreischen Lehrsatz in irgend einer Form, und mögen sie ihn nennen, wie sie wollen, finden werden.
Und wenn Jahrtausende ihnen dann wandern über den Tag, da zum ersten Mal diese obere Mathematik der Liebe ihnen klar wurde: sie alle werden auch ein Symbol dann suchen und besitzen für die Gnade dieses Tags — sie werden ihre „Krippe“ haben und ihren „Weihnachtsbaum“, in den Bildern eben und Gedankengängen ihres Sterns.
Ein symbolischer Christbaum in diesem Sinne muß ragen durch den ganzen, ganzen Weltraum, so weit die Schwere wandert und das Licht wandert, kurz, so weit die Gesetzmäßigkeit wandert, die aus gleichen Ursachen gleiche Wirkungen schafft.
Jedes Lichtpünktchen, das von einer Sonne bis zu uns hernieder Kunde gibt, das im Prisma sich zum Spektrum unserer irdischen Elemente bricht und damit auf die gleiche Grundlage weist, — es hat eine tiefste Beziehung zu diesem unaufhaltsamen Weihnachtsprozeß aller kosmischen Entwickelungen. Mit eigener Symbolik gesprochen: es ist eine Kerze am Weihnachtsbaum.
Stille Nacht, heilige Nacht.
Es geht mehr durch dieses schwarzblaue Firmament da oben als bloß Meteorsplitter und Kometen. Auch von Weltkörper zu Weltkörper rauscht auf den Flügeln der Gesetzmäßigkeit das ewige „Das bist Du“ und „Erkenne Dich selbst“. Und wieder auf der Flugbahn dieses ewigen Imperativs geht der Glaube mit an die Erlösung durch das höhere Gesetz, das Gesetz des oberen Geistesstockwerks — der Glaube an den endlichen „Sternenfrieden“ in dieser ganzen unermeßlichen Zersplitterung der Schöpfung, in der die Welten durch den uferlosen Raum wirbeln wie silberner Staub.
Friede auf Erden!
Hat dieser Glaube wirklich schon Weltenflügel?
Wenn die Sterne über Dir brennen, schleierlos, mit der ganzen Majestät des grenzenlos Wirklichen ... und Du sagst Dir, daß diese kleine Erde mit ihren paar Millionen intelligenter Wesen noch bebt unter dem Getümmel unausgesetzten Kampfes ...!