Die erste Tat des Forschers war also auch der Nachweis, daß unser Mull kein Nagergebiß habe, sondern ein Raubtiergebiß, das in seiner Weise sogar das der echten Raubtiere noch übertrumpfe und jedenfalls, wie es im Märchen heißt, in seinem Reich »Vieh und Leut« fresse, aber nicht Rüben.
Wie alles Wissenschaftliche auch immer einmal wieder angezweifelt zu werden pflegt (an sich kein Schaden!), so hat man diese Räubernatur gelegentlich zwar bestritten, aber ohne Glück. Wollte doch gar einer (wie Meister Heck im neuen Brehm erzählt) den leibhaftigen Maulwurf gesehen haben, wie der niederträchtige Kerl halb aus seinem Loch vorkam und ein Rübenblatt nach dem anderen abknabberte. Hier aber möchte man wohl den alten Satz anwenden: es hat einer manches gesehen, und es ist doch nicht wahr. Mit einer Einzelbeobachtung auf falscher Fährte kann man auch beweisen, daß der Hund Gras fresse, und ein so famoser Beobachter wie der alte Adolf Müller hat allen Ernstes einmal sogar den Kuckuck brüten »sehen«.
Wenn aber unser Mull wirklich ein »Tierfresser« ist, so scheint doch seine Nützlichkeit erwiesen; denn was soll er in seinen unterirdischen Labyrinthen, wo er das Erdreich auf wahren Atlasschultern im kleinen trägt und wälzt, anders fressen als wirkliche Schädlinge des Landmanns, – mit den bösesten, den Engerlingen, voran?
Indessen hier kamen die Gärtner und verwiesen auf den »Wühler«.
Was er schließlich fresse oder nicht fresse, das sei das ganz Nebensächliche. Aber mit seinem unterirdischen Pflügen und oberirdischen Bergbauen kreuze er immerfort das Werk des Menschen an den Stellen, wo die Erde ein Schmuck – etwa in einer prächtigen Parkwiesenfläche – und nicht ein schmutziges Bergwerk mit Stollen und Halden sein solle. Gerade hier aber war nun wieder und erst recht etwas auch nach der anderen Seite Hochbedeutsames angeschlagen.
Für die schöne Außenseite des Parks, dessen Ideal eine smaragdene Grasfläche ohne Makel ist, oder im Beet mit seinem kleinen Pflanzenvolk, das in der Wurzel nicht gelockert sein will, mag der Bergmann im Samtröcklein verpönt bleiben. Aber wir verdammen doch nicht in Bausch und Bogen unseren menschlichen Grubenbetrieb bloß deshalb, weil es nicht hübsch wäre, wenn er vermöge deplacierter Wahl seines Arbeitsfeldes die Peterskirche zum Einsturz brächte oder den Berliner Tiergarten mit schmutzigem Schutt durchsetzte. Gerade als Bergarbeiter ist unser Maulwurf wirklich noch etwas ganz anderes als bloß ein Fresser und Nutzfresser, und dieses andere scheint zunächst erst seinen eigentlichen Wert zu berühren.
Mit kurzem Wort gesagt: der Maulwurf gehört hier zu den »geologischen Tieren«.
Geologische Tiere sind Tiere, die nicht bloß auf der gegebenen Erdscholle leben, lieben und herumfahren, sondern es sind solche, die an der Bildung und Umbildung unserer Erdrinde selber aktiven Anteil nehmen, also im recht eigentlichen Sinne »geologisch« für jene anderen mit wirksam sind.
Tiere dieser Art hat es seit den ältesten Tagen der Erdgeschichte immer wieder in Masse gegeben, und durchweg war ihre Arbeit von der allergrößten Bedeutung.