| Geld gehört zum Ehestande, |
| Hässlichkeit ist keine Schande, |
| Liebe ist beinah absurd. |
| Drum, du nimmst den Junker Jochen |
| Innerhalb der nächsten Wochen. |
| Also sprach der Ritter Kurt. |
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| Vater, flehte Kunigunde. |
| Schone meine Herzenswunde, |
| Ganz umsonst ist dein Bemühn. |
| Ja, ich schwör's bei Erd und Himmel, |
| Niemals nehm ich diesen Lümmel, |
| Ewig, ewig hass ich ihn. |
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| Nun, wenn Worte nicht mehr nützen, |
| Dann so bleibe ewig sitzen, |
| Marsch mit dir in's Burgverließ. |
| Zornig sagte dies der Alte, |
| Als er in die feuchte kalte |
| Kammer sie hinunterstieß. |
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| Jahre kamen, Jahre schwanden, |
| Nichts im Schlosse blieb vorhanden |
| Außer Kunigundens Geist. |
| Dort, wo graue Ratten rasseln, |
| Sitzt sie zwischen Kellerasseln, |
| Von dem Feuermolch umkreist. |
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| Heut noch ist es nicht geheuer |
| In dem alten Burggemäuer |
| Um die Mitternacht herum. |
| Wehe, ruft ein weißes Wesen, |
| Will denn Niemand mich erlösen? |
| Doch die Wände bleiben stumm. |
| Sei es freundlich, sei es böse, |
| Meist genügend klar und scharf |
| Klingt des Mundes Wortgetöse |
| Für den täglichen Bedarf. |
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| Doch die Höchstgefühle heischen |
| Ihren ganz besondern Klang; |
| Dann sagt grunzen oder kreischen |
| Mehr als Rede und Gesang. |
| Wie hat sich sonst so schön der Hahn |
| Auf unserm Thurm gedreht |
| Und damit Jedem kund gethan, |
| Woher der Wind geweht. |
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| Doch seit dem letzten Sturme hat |
| Er keinen rechten Lauf; |
| Er hängt so schief, er ist so matt, |
| Und Keiner schaut mehr drauf. |
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| Jetzt leckt man an den Finger halt |
| Und hält ihn hoch geschwind. |
| Die Seite, wo der Finger kalt, |
| Von daher weht der Wind. |
| Er liebte sie in aller Stille. |
| Bescheiden, schüchtern und von fern |
| Schielt er nach ihr durch seine Brille |
| Und hat sie doch so schrecklich gern. |
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| Ein Mücklein, welches an der Nase |
| Des schönen Kindes saugend saß, |
| Ertränkte sich in seinem Glase. |
| Es schmeckt ihm fast wie Ananas. |
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| Sie hatte Haare, wie 'ne Puppe, |
| So unvergleichlich blond und kraus. |
| Einst fand er eines in der Suppe |
| Und zog es hochbeglückt heraus. |
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| Er rollt es auf zu einem Löckchen, |
| Hat's in ein Medaillon gelegt. |
| Nun hängt es unter seinem Röckchen |
| Da, wo sein treues Herze schlägt. |
| Ein eigner Kerl war Krischan Bolte. |
| Er that nicht gerne, was er sollte. |
| Als Kind schon ist er so gewesen. |
| Religion, Rechtschreiben und Lesen |
| Fielen für ihn nicht ins Gewicht: |
| Er sollte zur Schule und wollte nicht. |
| Später kam er zu Meister Pfriem. |
| Der zeigte ihm redlich und sagte ihm, |
| Jedoch umsonst, was seine Pflicht: |
| Er sollte schustern und wollte nicht. |
| Er wollte sich nun mal nicht quälen, |
| Deßhalb verfiel er auf das Stehlen. |
| Man fasst ihn, stellt ihn vor Gericht: |
| Er sollte bekennen und wollte nicht. |
| Trotzdem verdammt man ihn zum Tode. |
| Er aber blieb, nach seiner Mode, |
| Ein widerspänstiger Bösewicht: |
| Er sollte hängen und wollte nicht. |