"Man hat mich deswegen bei Hof nicht weniger freundlich aufgenommen," antwortete Ida und hob das von Unmut gerötete Gesichtchen empor; "man hat sich vielleicht gedacht, daß es der Ehre eines unbescholtenen Mädchens wohl anstehe, so fern als möglich von der Frau Gräfin zu bleiben."

"So sieht es dort aus?" fragte der Präsident kopfschüttelnd. "Nun, nun! Heutzutage setzt man sich, wenn man ein wenig Welt hat, darüber weg. Ich mag dir hierüber nichts sagen, ihr jungen Mädchen habt eure eigenen Grundsätze; nur wäre es wegen der jetzigen Verhältnisse besser gewesen, du hättest sie öfter gesehen; denn wenn sie sich hier in der Gegend ankaufen, nach Freiling kommen sie doch auch alle Jahre ein paar Mal. Wir machen das erste Haus hier, du sollst in Zukunft die Dame des Hauses vorstellen; wie kannst du nun die Gräf in Martiniz empfangen, wenn du in der Residenz sie so ganz negligiertest?"

"Nun, Gräfin Martiniz ist sie ja noch nicht," meinte der Hofrat und lächelte dabei so geheimnisvoll, daß es sogar dem Präsidenten auffiel.

"Nun, Er spricht ja so sicher über diesen Punkt," sagte dieser, "als kenne Er den Grafen Martiniz und seine Herzensangelegenheiten aus dem Fundament."

"Seine Herzensangelegenheiten nun freilich nicht," lächelte Berner; "aber den Grafen hatte ich die Ehre gestern kennen zu lernen—"

"Wie," unterbrach ihn der Präsident, "er ist schon hier? Und wir schwatzen schon eine Stunde von ihm, und Sie sagen nichts—"

"Fräulein Tochter ist nicht minder in der Schuld als ich," entgegnete jener; "sie kennt ihn sogar genauer als ich."

"Ich glaube, Ihr seid von Sinnen, Berner, oder mein Laubenheimer hat
Euch erleuchtet. Du, Idchen, du kennst ihn?"

"Nein—ja—" antwortete Ida, noch höher errötend. "Ich habe mit ihm getanzt, das ist alles."

"Er war also gestern auf dem Ball? Schon bei Jahren, natürlich, ein ältlicher Mann? Schon in unserem Alter, Berner?"