"Sie beharren also auf dem, was Sie von der Dame aussagten!"
"Dame hin oder her," antwortete der Rittmeister, "Sie fangen an, anmaßend zu werden; ich werde vor Ihnen und zehn solcher—Polacken behaupten, was ich sagte."
"Nun ja," sagte der Graf, indem er sich stolz aufrichtete und an die übrigen Offiziere, die bisher mit gespannter Aufmerksamkeit zugehört hatten, wie der Graf geschraubt würde, sich wandte, "nun ja, so, muß ich nur Sie bedauern, meine Herren, daß Sie sich auf diese Art unterhalten lassen von diesem erbärmlichen Lügner."
"Donner und alle Teufel!" fuhr der Rittmeister auf, "wie kommen Sie mir vor, Herr! Ich glaube, Sie haben Platz zwischen den Rippen für blaue Bohnen."
"Tun Sie, was Ihnen beliebt," sagte der Graf, "ich wohne hier und bin auf Nr. 2 zu finden." Er ging, der alte Theresienritter mit ihm. "Das ist spaßig," lachte der Rittmeister, obgleich es ihm nicht recht frei von der Brust wegging, "das ist spaßig, daß ich in Freilingen einen kleinen Gang zu machen habe!"
Die Dragoner saßen noch ganz verdutzt über den schnellen Ausgang der
Schrauberei. "Hol' mich der Teufel" sagte ein alter Leutnant, "das
Kerlchen nahm sich doch so übel nicht bei der Sache; er hat einen
verfluchten Anstand, und es ist, als wäre er schon mehr dabei gewesen!"
Man beriet sich jetzt, was zu tun sei; man verteilte die Rollen. Schulderoff sollte des Rittmeisters Sekundant sein; den alten Leutnant bestimmte man, Martiniz denselben Dienst zu leisten, wenn er nicht sonstwo einen Sekundanten auftreiben könnte. Der Rittmeister zeigte eine ungemeine, spaßige Fröhlichkeit, meinte, es müsse sich ganz herrlich ausnehmen, wenn so ein Herrchen vom Zivil eine Pistole losbrenne; den übrigen war es übrigens nicht so ganz wohl zu Mut; das schnelle Ende des Streites hatte aus allen Köpfen den Champagnerdampf weggeblasen, man dachte doch ernstlich an die Affäre, und manchen wollte es bedünken, daß sie doch im heillosen Übermut herbeigeführt worden sei. Man äußerte dies auch unverhohlen gegen Sporeneck, und auch er schien so etwas zu denken; doch versteckte er diese Gedanken hinter lustigem Lachen und beauftragte Schulderoff, sogleich zum Grafen zu gehen, um die Sache ins reine zu bringen. Nach einer Viertelstunde kam dieser wieder sehr ernst zurück und sagte: "Sporeneck, morgen früh acht Uhr, auf Pistolen."
Diese lakonische Meldung machte einen ganz eigenen Eindruck auf die Gesellschaft; es war allen, als sei doch etwas Ungerechtes vorgefallen, und keinem war es recht behaglich, an morgen zu denken. Man bestürmte Schulderoff mit Fragen, wie der Graf es aufgenommen, und dergleichen; er erzählte:
"Die beiden Fremden seien in ziemlich ruhigem Gespräch miteinander im Zimmer auf- und abgegangen, als er eingetreten sei. Sie haben ihn sehr höflich und zuvorkommend empfangen, er aber habe seinen Auftrag ausgerichtet und den Grafen zuerst gefragt, ob er seine Beleidigung zurücknehmen wolle. Dieser habe ganz ruhig mit 'Nein' geantwortet, worauf er ihn gefordert; sie seien auf Pistolen einig geworden und haben die Wiese hinter dem Gottesacker zum Kampfplatz ausgewählt. Für einen Sekundanten lasse er danken; der alte Herr, der bei ihm sei, werde ihm sekundieren." Der Rittmeister schien vor Freude außer sich zu sein, daß er seinem Rivalen mit guter Manier eins auf den Pelz brennen könne; er wollte mit dem Champagner weiter machen, die nüchtern gewordenen Kameraden ließen es aber nicht zu, baten ihn, auf morgen recht fest auszuschlafen, und versprachen, um sieben Uhr allesamt bei Schulderoff zu frühstücken.
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