So urteilte der Leutnant und mit ihm seine Kameraden, so sehr hatte die
Uniform und der Orden auf Martiniz' Brust die ganze Sache verändert.

Endlich war die ganze Gesellschaft beisammen. Man konversierte in dem festonierten Saal, ehe man zu den Spieltischen ging, und die Gräfin hatte den größten Hof um sich; denn man dachte nicht anders, als sie müsse doch vielleicht die Königin des Festes sein. Es fehlte niemand mehr; doch ja, Martiniz und Ladenstein fehlten noch; die Gräfin suchte vergebens mit ihren rastlosen Blicken nach dem ersteren. Sie hatte eine tüchtige Schelte einstudiert, um ihn für seine Vernachlässigung zu strafen; überhaupt hatten sich ihr heute so sonderbare Gedanken aufgedrängt—der Graf, der sich doch sonst an sie angeschlossen, dem sie so merklich als möglich ihre Neigung zu ihm gezeigt hatte, war zwei Tage gar nicht für sie sichtbar; sie wußte, daß er heute im Haus gewesen, und doch hatte er sie nicht besucht; der Rittmeister—der war ihr nun ganz unbegreiflich, und sie war bitterböse auf ihn. Im ganzen war er ihr gleichgültig; denn ihre Neigungen waren sehr flüchtiger Natur; auch war ihr der Graf jetzt bei weitem interessanter, und sie gestand es sich selbst, sie hätte ein Wohlwollen zu ihm, das beinahe Liebe war,—aber dennoch sollte der Rittmeister noch immer der Cavaliere servente sein, und dennoch konnte er es wagen, zwei Tage sich nicht mit einem Blick sehen zu lassen. Wenn er auf die Jagd geritten war, wie die übrigen Offiziere äußerten, so hätte er wenigstens ein Billett an sie hinterlassen können—aber sie wollte es ihm entgelten.

Der Arme! er lag gerade jetzt auf seinem Schmerzenslager und fluchte die fürchterlichsten Flüche, daß er sich jemals in die Dienste dieser Sirene begeben habe.

* * * * *

DIE BRAUT.

Auch Ida fehlte noch in der Gesellschaft; nun, sie hatte wahrscheinlich noch manches für die Bewirtung zu sorgen und zu rüsten. Endlich—der Präsident hatte sich heimlicherweise weggeschlichen—endlich ging die Türe auf, ein allgemeines Flüstern der Erwartung rauschte durch den Saal—herein trat ein großer, ältlicher Herr in reicher, prächtiger Kleidung, mit Sternen und Orden besät—wir kennen ihn schon—, an seinem Arm ein holder; verschämter Engel voll Huld und Anmut, demütig und doch voll wunderbarer Majestät—Ida.

Aber wie das Mädchen heute geputzt war, das Blondenkleid—man hatte noch nichts so Feines, Zartes, Geschmackvolles gesehen. Um den Schwanenhals ein Perlenschmuck, der—es waren scharfe Kenner in dem Saal, aber sie schwuren hoch und teuer, mit den fürchterlichsten Flüchen, er sei unschätzbar und nicht in diesem Lande gekauft! Im zierlich geordneten Haar einen Solitär— die Gräfin hätte heulen mögen, daß sie den ihrigen hatte in der Residenz lassen müssen—er war in Kost und Logis bei Salomon Moses Söhnen und doch hätte er gegen dieses Wasser, gegen die funkensprühende Kraft dieses Steins verbleichen müssen!

Hatten die Gäste schon dieses Paar mit weit aufgerissenen Augen angestarrt, so riskierten sie jetzt, vor Verwunderung den schwarzen Star zu bekommen; denn jetzt trat der Präsident ein, an der Hand führte er einen Jüngling, hoch und schlank, in prachtvoller, pompöser Uniform, den Diamantorden auf der stolz gewölbten Brust, an der Seite einen mit flunkernden Steinen übersäeten Säbel, in der Hand seinen Kalpak, woran die Agraffe, ein Familienstück, von Kennern auf zweimalhunderttausend Taler geschätzt wurde; der Präsident mit seinem strahlenden Jüngling trat näher, es war Emil.

Der Kreis der erstaunten Gäste öffnete sich—der Präsident empfing aus Ladensteins Hand sein Idchen; so trat er mit dem Pärchen in den Kreis—die Gräfin mochte ahnen, was vorging; denn sie schoß wütende Blicke auf die drei, ihr Busen flog auf und nieder; tief und bescheiden neigte sich Ida, das Engelskind, und errötete über und über; der Graf aber schaute fröhlich, stolz mit seinem siegenden Glutblick im Kreise umher, der Präsident verbeugte sich und begann: "Verehrte Freunde, ich habe Sie eingeladen, ein glückliches Ereignis meines Hauses mit mir zu begehen—meine Ida hat sich heute verlobt mit dem Grafen Emil von Martiniz." Von Anfang tiefe, tiefe Stille; man hätte eine Mücke können trappen hören—unwillkürlich flogen die Blicke der erstaunten Gäste nach der Gräfin; denn sie, sie mußte ja nach ihren Kalkülen die Braut sein; dann öffneten sich die Schleusen der Beredsamkeit, ein ungeheurer Strom von Gratulationen, gegenseitigen Lobpreisungen brach über die Dame herein; man hörte sein eigenes Wort nicht, so gingen wie in einer Windmühle, wenn der Nordost bläst, die Mäuler und Mäulchen.

Endlich fand auch die Gräfin Worte; sie hatte, das übersah sie mit einem Blick, das Schlachtfeld verloren; jetzt galt es, sich geordnet zurückzuziehen und dem Feind, wo sie eine Blöße erspähen könnte, noch eine tüchtige Schlappe zu geben. Sie hatte schnell gefunden, was sie wollte. Sie eilte auf Ida zu, umarmte sie herzlich und wünschte ihr Glück zu ihrer Verbindung. "Aber dennoch, Kinderchen," setzte sie hinzu und wollte freundlich aussehen, obgleich ihr das grüne Neidfeuer aus den Augen sprühte und ihr Mund krampfhaft zuckte, "dennoch weiß ich nicht, ob ihr ganz klug getan habt. Idas Mutter war, soviel ich weiß, aus keinem alten Haus, und Sie selbst, Graf, müssen wissen, wie Ihr Oheim; der Minister, darüber denkt; wenigstens so viel ich mir von ihm habe sagen lassen, wird er diese Verbindung nun und nimmermehr zugeben."