"Der Herr Graf wird ganz selig sein," wisperte Lisette der Babette zu, doch nicht so leise, daß es den Ohren der jungen Gräfin entging. Sie wollte tun, als hätte sie nichts gemerkt, aber ward feuerflammrot von der Stirne bis herab in das Halstuch, und als vollends Babette, die das schneeweiße Nachtzeug in die Vache packte, mit einer höchst naiven Frage in die Quere kam, da hielt sie es nicht mehr aus; ganz dunkel überpurpurt entschlüpfte sie den sechs dienstbaren Geistern und lief wie ein gescheuchtes Reh in den Speisesaal.

Allgemeiner Jubel empfing die holde Reisende. Alles war darin einverstanden, daß ihr diese Tracht noch besser stehe als der Brautstaat; kein Wunder! es war ja das Pilgerkleid, in welchem sie ins gelobte Land der Ehe reiste.

"Warum bist du nur so über und über rot?" fragte Emil sein holdes Weibchen, indem er sie näher an seine Seite zog. "Hat dir jemand etwas getan?"

Sie wollte lange nicht heraus. "Die Babette," flüsterte sie endlich und errötete von neuem, "die Babette hatte so dumm gefragt."

"Nun, was denn?" fragte der neugierige Herr Gemahl. Aber da stockte es wieder; zehnmal setzte sie an; sie wollte gerne eine Lüge erfinden; aber das schickte sich denn doch nicht am Hochzeittag, und doch—es ging nicht; er mußte bitten, flehen, drohen, betteln sogar; endlich, nachdem er hatte versprechen müssen, die Augen recht fest zuzumachen, flüsterte sie ihm ins Ohr: "Sie hat mein Nachtzeug eingepackt, und da hat sie gefragt, ob sie das deinige auch dazu packen soll." Selig schloß der Graf sein Engelsweibchen in die Arme; er wollte antworten, aber seine Antwort verhallte im Geräusch der aufbrechenden Gäste.

Die Wagen waren vorgefahren, man verabschiedete sich. Der Graf nahm sein Idchen um den Leib und trug sie schnell hinab in den Wagen; denn dort beschloß er, ihr zu antworten.

Auf dem Balkon drängten sich die Gäste, die Champagnergläser in den Händen; sie riefen, vermischt mit den neuen Untertanen des Grafen, ein tausendstimmiges Vivat in den Wagen hinab. Ida drückte ihr Köpfchen an die Brust des Geliebten. Er winkte, die Pferde zogen an, und dahin fuhr Emil und seine glückliche Ida.

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NACHSCHRIFT.

Es ist ein schöner Brauch unter guten Menschen, die sich lieben und getrennt sind, daß sie gewisse Tage des Jahres festsetzen, an welchen sie sich von nahen und entfernten Orten her sammeln, sich wiedersehen und die Strahlen ihrer Liebe von neuem an der allgemeinen Flamme anzünden. So halte ich es seit langen Jahren mit meinen Freunden, die das Schicksal nach Ost und nach West verschlagen. Auch heuer war ich hingereist an den Ort, den wir zu unserem Rendezvous bestimmt hatten. Als ich an dem stattlichen Weißen Hirsch in B. vorfuhr, lagen schon manche Fenster voll, und wie wohl tut da das freundliche, jubelnde: "Er ist's, er ist's," das von schönen Lippen herab dem Freunde entgegentönt!