"Lieber Herr", antwortete der Mann von Hardt, "geduldet Euch noch auf dem Marsch will ich Euch ein Langes und Breites erzählen, für jetzt nur soviel: sobald der Alte hört, daß Ihr auf Stuttgart zieht, will er von Lichtenstein aufbrechen und Euch die Braut zuführen. Denn er zweifelt nicht, daß Ihr die Stadt überwältigt. Habt Ihr Heimsheim?"

"Wir haben es. Ich jagte mit zwölf Reitern in die Tore, ehe sie sich's versahen. Die Besatzung war zwar etwas stärker als wir, aber mutlos und unzufrieden. Ich handelte mit ihnen in des Herzogs Namen, da glaubten sie, er liege mit vielen Truppen noch im Hinterhalt und ergaben sich. So weit wären wir nun in Württemberg, aber wie ist der Weg weiterhin?"

"Offen, bis ins Herz offen. Ich bringe Euch wichtige Nachricht vom Ritter von Lichtenstein daß die gewaltigen Herren aus dem Land sind, wißt Ihr—"

"Sie halten einen Bundestag in Nördlingen, ist's nicht so? Freilich wissen wir's, denn auf diese Nachricht brach der Herzog aus Baden auf."

"Nun, und wenn die Katzen fort sind, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.
Die Besatzungen sind überall unbesorgt, an den Herzog denkt kein
Bündler mehr, sie sind nur aufmerksam auf den Bundestag, welchen
Herrn wir bekommen werden: den Österreicher, den Bayer, den Prinzen
Christophel, oder ob uns der Städtebund, Augsburg und Aalen, Nürnberg
und Bopfingen, regieren werde."

"Welche Augen sie machen werden", rief Georg lächelnd, "wenn der
Stuhl schon besetzt ist, um welchen sie streiten! Sie werden ihre
Büchsen auf die Schulter nehmen und 's Regieren sein lassen."

"Und die Württemberger? Wie denken sie jetzt vom Herzog? Glaubst Du, er wird viel Anhang finden? Werden sie uns zu Hilfe ziehen?"

"Was Bürger und Bauern sind, ja. Von der Ritterschaft weiß ich's nicht, und der alte Herr zuckte die Achseln, wenn ich ihn fragte, und murmelte ein paar Flüche. Ich fürchte, es steht hier nicht alles, wie es soll. Aber Bürger und Bauern, die sind für den Herzog. Es sind allerlei sonderbare Zeichen geschehen, die das Volk aufmuntern. So ist neulich im Remstal ein Stein vom Himmel gefallen, drauf war ein Hirschgeweih eingegraben und die Worte: 'Hie gut Württemberg alleweg', und auf der andern Seite soll man auf lateinisch gelesen haben: 'Herzog Ulrich soll leben!'"

"'Vom Himmel gefallen', sagst Du?"

"So sagt man. Die Bauern hatten große Freude dran, aber die bündischen Herren wurden zornig, nahmen die Schulzen gefangen und wollten ihnen abpressen, woher der Stein des Anstoßes komme. Und als man bei hoher Strafe verbot, vom Herzog zu sprechen, da lachten die Männer und sagten, jetzt träumen wir von ihm. Alles wünscht ihn zurück, denn sie wollen sich lieber von ihrem anerkannten Herrn drücken, als von Fremden die Haut abziehen lassen."