Diese wenigen Worte aus dem Mund eines durch Tapferkeit und Kriegskunst unter seinen Zeitgenossen hochberühmten Mannes übten so besänftigende Gewalt über Georg, daß er die Antwort, die ihm auf der Zunge schwebte, zurückdrängte und sich schweigend von der Tafel in ein Fenster zurückzog, teils um die Obersten nicht weiter zu stören, teils um sich genauer zu überzeugen, ob die flüchtige Erscheinung, die er vorhin gesehen, wirklich Marie gewesen sei.
Als Georg die Tafel verlassen hatte, wandte sich Frondsberg zu
Waldburg: "Das ist nicht die Art, Herr Truchseß, wie man tüchtige
Gesellen für unsere Sache gewinnt; ich wette, er ging nicht mit halb
so viel Eifer für die Sache von uns, als er zu uns brachte."
"Müßt Ihr dem jungen Laffen auch noch das Wort reden?" fuhr jener auf. "Was braucht es da? Er soll einen Spaß von seinem Obern ertragen lernen."
"Mit Verlaub", fiel ihm Breitenstein ins Wort, "das ist kein Spaß, sich über unverschuldete Armut lustig zu machen; ich weiß aber wohl, Ihr seid seinem Vater noch nie grün gewesen."
"Und", fuhr Frondsberg fort, "sein Oberer seid Ihr ganz und gar noch nicht. Er hat dem Bund noch keinen Eid geleistet; also kann er noch immer hinreiten, wohin er will; und wenn er auch unter Euren eigenen Fahnen diente, so möchte ich Euch doch nicht raten, ihn zu hänseln, er sieht mir nicht danach aus, als ob er sich viel gefallen ließe!"
Sprachlos vor Zorn über den Widerspruch, den er nie ertragen konnte, blickte Truchseß den einen und den andern an, mit so wutvollen Blicken, daß sich Ludwig von Hutten schnell ins Mittel schlug, um noch ärgeren Streit zu verhüten "Laßt doch die alten Geschichten!" rief er. "Überhaupt wäre es gut, die Tafel würde aufgehoben. Es dunkelt draußen schon stark und der Wein wird zu mächtig. Dietrich Spät hat schon zweimal des Württembergers Tod ausgebracht, und die Franken dort unten sind nur noch nicht einig, ob man seine Schlösser niederbrennen oder verteilen soll."
"Laßt sie immer", lachte Waldburg bitter, "die Herren dürfen ja heute machen, was sie wollen, Frondsberg wird ihnen doch das Wort reden."
"Nein", antwortete Ludwig Hutten, "wenn einer von so etwas reden darf, bin ich es, als der Bluträcher meines Sohnes; aber ehe noch der Krieg erklärt ist, müssen solche Reden unterbleiben. Mein Vetter Ulrich spricht mir auch zu heftig mit den Italienern über den Mönch von Wittenberg, und er verschwatzt sich zu sehr, wenn er in Zorn gerät. Laßt uns aufbrechen."
Frondsberg und Sickingen stimmten ihm bei, sie standen auf, und als die nächsten um sie her ihrem Beispiel folgten, war der Aufbruch allgemein.
Kapitel 4