"Man muß ihm nachjagen", fuhr der Truchseß auf, "die ganze Reiterei muß aufsitzen und hinab am Neckar streifen, ich selbst will hinaus—."
"Oh, Herr", entgegnete einer der Knechte, "da kommt Ihr zu spät; es sind drei Stunden jetzt, daß wir von der Brücke abzogen, der hat einen guten Vorsprung und kennt das Land wohl besser als alle Reiter!"
"Kerl, willst Du mich noch höhnen? Ihr habt ihn entkommen lassen, an
Euch halte ich mich, man rufe die Wache; ich lasse Euch aufhängen."
"Mäßigt Euch", sagte Frondsberg, "die armen Burschen trifft der
Fehler nicht; sie hätten sich gern das Gold verdient, das auf den
Herzog gesetzt war. Der Doktor hat gefehlt, und Ihr hört, daß er es
mit dem Leben zahlte."
"Also Ihr habt heute den Herzog vorgestellt?" wandte sich Waldburg zu
Georg, der still dieser Szene zugesehen hatte. "Müßt Ihr mir überall
in den Weg laufen, mit Eurem Milchgesicht? Überall hat Euch der
Teufel, wo man Euch nicht braucht. Es ist nicht das erste Mal, daß
Ihr meine Pläne durchkreuzt."
"Wenn Ihr es gewesen seid, Herr Truchseß", antwortete Georg, "der bei
Neussen den Herzog meuchlings überfallen lassen wollte, so bin ich
Euch leider in den Weg gekommen, denn Eure Knechte haben mich
niedergeworfen."
Die Ritter erstaunten über diese Rede und sahen den Truchseß fragend an. Er errötete, man wußte nicht aus Zorn oder Beschämung, und entgegnete: "Was schwatzt Ihr da von Neussen? Ich weiß von nichts; doch wenn man Euch dort niedergeworfen hat, so wünsche ich, Ihr wäret nimmer aufgestanden, um mir heute vor Augen zu kommen. Doch es ist auch so gut; Ihr habt Euch als ein erbitterter Feind des Bundes bewiesen, habt heimlich und offen für den geächteten Herzog gehandelt, teilt also seine Schuld gegen den Bund und das ganze Reich; seid überdies heute mit den Waffen in der Hand gefangen worden—Euch trifft die Strafe des Hochverrats an dem allerdurchlauchtigsten Bund des Schwaben- und Frankenlandes."
"Dies dünkt mir eine lächerliche Beschuldigung", erwiderte Georg mit mutigem Ton, "Ihr wißt wohl, wann und wo ich mich vom Bund losgesagt habe; Ihr habt mich auf vierzehn Tage Urfehde schwören lassen; so wahr Gott über mir ist, ich habe sie gehalten. Was ich nachher getan, davon habt Ihr nicht Rechenschaft zu fordern, weil ich Euch nicht mehr verpflichtet war, und was meine Gefangennehmung mit den Waffen in der Hand betrifft, so frage ich Euch, edle Herren, welcher Ritter wird, wenn er von sechs oder acht angegriffen wird, sich nicht seines Lebens wehren? Ich verlange von Euch ritterliche Haft und erbiete mich, Urfehde zu schwören auf sechs Wochen; mehr könnt Ihr nicht von mir verlangen."
"Wollt Ihr uns Gesetze vorschreiben? Ihr habt gut gelernt bei dem übermütigen Herzog; ich höre ihn aus Euch sprechen; doch keinen Schritt sollt Ihr zu Eurer Sippschaft tun, bis Ihr gesteht, wo der alte Fuchs, Euer Schwiegervater, sich aufhält und welchen Weg der Herzog genommen hat."
"Der Ritter von Lichtenstein wurde von Euren Reitern gefangengenommen; welchen Weg der Herzog nahm, weiß ich nicht und kann es mit meinem Wort bekräftigen."