Hans von Breitenstein zog Georg zu sich nieder, die anderen folgten seinem Beispiel, die Knechte trugen auf, und der edle Wein machte den Ritter von Lichtenstein und seinen Sohn vergessen, daß sie in mißlichen Verhältnissen, im feindlichen Lager seien, daß sie vielleicht einem ungewissen Geschick, und wenn sie die Reden Frondsbergs recht deuteten, einer langen Gefangenschaft entgegengingen. Gegen das Ende der Tafel wurde Frondsberg hinausgerufen; bald kam er zurück und sprach mit ernster Stimme: "So gerne ich noch länger Eure Gesellschaft genossen hätte, liebe Freunde, so tut es jetzt not, aufzubrechen. Der Wächter ist da, dem ich Euch übergeben muß, und Ihr müßt Euch sputen, wollt Ihr heute noch die Feste erreichen."

"Ist er ein Ritter, dieser Wächter?" fragte Lichtenstein, indem sich seine Stirn in finstere Falten zog. "Ich hoffe, man wird auf unsren Stand Rücksicht genommen haben und uns ein anständiges Geleit geben?"

"Ein Ritter ist er nicht", antwortete Frondsberg lächelnd, "doch ist er ein anständiges Geleit, Ihr werdet Euch selbst davon überzeugen." Er lüftete bei diesen Worten den Vorhang des Zeltes, und es erschienen die holden Züge Mariens; mit dem Weinen der Freude stürzte sie an die Brust ihres Gatten, und der alte Vater stand stumm vor Überraschung und Rührung, küßte sein Kind auf die schöne Stirn und drückte die Hand des biederen Frondsberg.

"Das ist Euer Wächter", sprach dieser, "und die Lichtenstein die Feste, wo sie Euch gefangenhalten soll. Ich sehe es ihren Augen an, sie wird den jungen Herrn nicht zu streng halten, und der Alte wird sich nicht über sie beklagen können, doch rate ich Euch, Töchterchen, habt ein wachsames Auge auf die Gefangenen, laßt sie nicht wieder von der Burg, gestattet nicht, daß sie wieder Verbindungen mit gewissen Leuten anknüpfen; Ihr haftet mit Eurem Kopf dafür!"

"Aber, lieber Herr", entgegnete Marie, indem sie den Geliebten inniger an sich drückte und lächelnd zu dem strengen Herrn aufblickte, "bedenkt, er ist ja mein Haupt, wie kann ich ihm etwas befehlen?"

"Eben deswegen hütet Euch, daß Ihr dieses Haupt nicht wieder verliert; bindet ihn mit einem Liebesknoten recht fest, daß er Euch nicht entlaufe, er ändert nur gar zu leicht die Farbe; wir haben Beispiele!"

"Ich trug nur eine Farbe, mein väterlicher Freund!" entgegnete der junge Mann, indem er in die Augen seiner schönen Frau und auf die Feldbinde niedersah, die seine Brust umzog, "nur eine, und dieser blieb ich treu."

"Wohlan! So haltet ferner nur zu ihr", sagte Frondsberg und reichte ihm die Hand zum Abschied. "Lebe wohl! Die Pferde harren vor dem Zelt; bringt Eure Gefangenen sicher auf die Feste, schöne Frau, und gedenket huldreich das alten Frondsberg."

Marie schied von diesem Edlen mit Tränen in den Augen, auch die Männer nahmen bewegt seine Hand, denn sie wußten wohl, daß ohne seine Hilfe ihr Geschick sich nicht so freundlich gewendet hätte. Noch lange sah ihnen Georg von Frondsberg nach, bis sie an der äußersten Zeltgasse um die Ecke bogen. "Er ist in guten Händen", sagte er dann, indem er sich zu Breitenstein wandte, "wahrlich, der Segen seines Vaters ruht auf ihm. Ein gutes, schönes Weib und ein Erbe, wie wenige sind im Schwabenland."

"Ja, ja!" erwiderte Hans von Breitenstein, "seiner Klugheit und
Vorsicht hat er es nicht zu danken, doch wer das Glück hat, führt die
Braut heim; ich bin fünfzig alt geworden und gehe noch auf
Freiersfüßen; Ihr auch, Herr Dietrich von Kraft, nicht wahr?"