"Das ist ein schöner Entschluß für einen jungen Mann von Eurem Schrot und Korn! Habt Ihr denn in Württemberg gar nichts zu tun, als des armen Herzogs Burgen zu stürmen? Nun, reitet immerhin", fuhr er fort, indem er den Jüngling mit listigem Lächeln anblickte, "versucht einmal, ob der Lichtenstein nicht mit Sturm genommen werden könne?"

Der junge Mann errötete bis in die Stirn hinauf. "Wie magst Du nur jetzt Deinen Scherz treiben", sagte er halb in Unmut, halb lächelnd, "wie magst Du mit meinem Unglück spaßen?"

"Fällt mir nicht ein, Scherz mit meinem gnädigen Junker zu treiben", antwortete sein Gefährte. "Es ist mein voller Ernst, daß ich Euch bereden möchte, dorthin zu ziehen."

"Und was dort tun?"

"Nun! Den alten Herrn für Euch gewinnen, und die Tränen des bleichen
Fräuleins stillen, das wegen Euch Tag und Nacht weint!"

"Und wie soll ich auf den Lichtenstein kommen? Der Vater kennt mich nicht, wie soll ich mit ihm bekannt werden?"

"Seid Ihr der erste Rittersmann, der nach Sitte der Väter eine freie Zehrung in einem Schloß fordert? Laßt nur mich dafür sorgen, so sollt Ihr bald auf den Lichtenstein kommen!"

Der Jüngling sann lange Zeit nach, er erwog alle Gründe für und wider, er bedachte, ob es nicht gegen seine Ehre sei, statt vom Schauplatz des Krieges sich zu entfernen, in eine Gegend zu reisen, wohin sich der Krieg notwendig ziehen mußte. Doch als er bedachte, wie mild die Bundesobersten selbst seinen Abfall angesehen hatten, wie sie sogar im Fall seines völligen Übertrittes zum Feind nur vierzehn Tage Frist angesetzt hatten, als ihm Mariens trauernde Miene, ihre stille Sehnsucht auf ihrem einsamen Lichtenstein vorschwebte, da neigte sich die Schale nach Württemberg.

"Noch einmal will ich sie sehen, nur noch einmal sie sprechen", dachte er.—"Nun wohlan!" rief er endlich "Wenn Du mir versprichst, daß nie davon die Rede sein soll, mich an die Württemberger anzuschließen, daß ich nicht als Anhänger Eures Herzogs, sondern als Gast in Lichtenstein behandelt werde, wenn Du dies versprichst, so will ich folgen."

"Für mich kann ich dies wohl versprechen", antwortete der Bauer, "aber wie kann ich etwas geloben für den Ritter von Lichtenstein?"