Er empfand keine Reue, daß er sie getötet, aber wenn er dem Gesinde sagte, seine Frau sei verreist, so dachte er immer dabei: „Wohin mag sie wohl gereist sein?“ Sechs Tage hatte er es so getrieben, und immer hörte er nachts diese Stimme, und immer dachte er an den Waldgeist und seine schreckliche Drohung; aber am siebenten Morgen sprang er auf von seinem Lager und rief: „Nun ja, will sehen, ob ich mir ein wärmeres schaffen kann; denn der gleichgültige Stein in meiner Brust macht mir das Leben nur langweilig und öde.“ Er zog schnell seinen Sonntagsstaat an und setzte sich auf sein Pferd und ritt dem Tannenbühl zu.
Im Tannenbühl, wo die Bäume dichter standen, saß er ab, band sein Pferd an und ging schnellen Schrittes dem Gipfel des Hügels zu, und als er vor der dicken Tanne stand, hub er seinen Spruch an:
„Schatzhauser im grünen Tannenwald,
Bist viele hundert Jahre alt,
Dein ist all’ Land, wo Tannen stehen,
Läßt dich nur Sonntagskindern sehen.“
Da kam das Glasmännlein hervor, aber nicht freundlich und traulich wie sonst, sondern düster und traurig; es hatte ein Röcklein an von schwarzem Glas, und ein langer Trauerflor flatterte herab vom Hut, und Peter wußte wohl, um wen er trauerte.
„Was willst du von mir, Peter Munk?“ fragte es mit dumpfer Stimme.
„Ich hab’ noch einen Wunsch, Herr Schatzhauser“, antwortete Peter mit niedergeschlagenen Augen.
„Können Steinherzen noch wünschen?“ sagte jener. „Du hast alles, was du für deinen schlechten Sinn bedarfst, und ich werde schwerlich deinen Wunsch erfüllen.“
„Aber Ihr habt mir doch drei Wünsche zugesagt; einen hab’ ich immer noch übrig.“
„Doch kann ich ihn versagen, wenn er töricht ist“, fuhr der Waldgeist fort, „aber wohlan, ich will hören, was du willst.“
„So nehmet mir den toten Stein heraus und gebet mir mein lebendiges Herz“, sprach Peter.