Gewiß, gewiß," seufzte er. Aber ich sehe nur noch nicht recht ein—"

Nur Geduld. Wer gibt nun diese Nachricht, wer bekommt sie? Das Ministerium in Wien oder ein guter Freund, der sehr nahe hingehorcht und dem g r o ß e n P o r t i e r ein Stück Geld in die Hand gedrückt hat, läßt noch in der Nacht einen Kurier aufsitzen. Der reitet und fährt und fliegt nach Frankfort und bringt die Depesche—wem?"

Ach, dem Glücklichsten, dem Vornehmsten!"

Nein, dem, der am besten zahlt. Einen solchen Kurier kann ich Ihnen um Geld auch verschaffen, ich habe Konnexionen in Wien. Man kann dort mancherlei erfahren, ohne gerade der österreichische Beobachter zu sein. Kurz, wir lassen einen Brief mit der Nachricht einer wichtigen Krisis, eines bedeutenden Vorfalles kommen—"

Etwa, der Sultan habe einen Schlag bekommen, oder der Kaiser von
Rußland sei plötzlich—"

Nichts davon, das ist zu wahrscheinlich, als daß es die Leute glauben! Unwahrscheinliches, Überraschendes muß auf der Börse wirken!"—

Also etwa, der Fürst von M. sei ein Türke geworden, habe dem Islam geschworen?"

Ich sage Ihnen ja, nichts Wahrscheinliches. Nein, geradezu, die Pforte habe das Ultimatum angenommen. Bekommen Sie nun diese Nachricht mit allem möglichen geheimnisvollen Wesen, lassen Sie den Kurier sogleich ein paar Stationen weiter reisen, lassen Sie den Brief einige Geheimniskrämer lesen, gehen kurze Zeit darauf in die Börsenhalle, so kann es nicht fehlen, Sie sind ein wichtiger Mann und setzen Ihre Papiere mit Gewinn ab."

Aber, lieber Herr," erwiderte der Kaufmann von Dessau kläglich, das wäre ja denn doch erlogen, wie man zu sagen pflegt, eine Sünde für einen rechtlichen Mann; bedenken Sie, ein Kaufmann muß im Geruch von Ehrlichkeit stehen, will er Kredit haben."

Ehrlichkeit, Possen! Geld, Geld, das ist es, wonach er riechen muß,
und nicht nach Ehrlichkeit. Und was nennen Sie am Ende Ehrlichkeit? Ob
Sie Ihre Kunden bei einem Pfund Kaffee betrügen, ob Sie einem alten
Weibe ihr Lot Schnupftabak zu leicht wiegen, oder ob Sie dasselbe
Experiment im großen vornehmen, das ist am Ende dasselbe."