"Warum mahnen Sie mich!" rief der Major mit unwillkürlichem Grauen; "ja, bei Gott, es ist so, wie Sie träumten; sie ist begraben, und wir beide gehen nebeneinander von ihrem Grab."

"Drum soll der Mensch nie mit dem Schicksal scherzen", sagte der Alte mit trübem Ernst. "Ist es heute nicht elf Tage, daß wir 'Othello' gaben? Am achten ist sie gestorben."

"Zufall, Zufall!" rief der Major. "Wollen Sie Ihren Wahnsinn auch jetzt noch fortsetzen? weiß ich nicht nur zu gut, an was sie starb? Wohl hat ein Dolch ihre Seele, wie Desdemonas Brust, durchstoßen; ein Elender, schwärzer als Ihr Othello, hat ihr Herz gebrochen; aber dennoch ist es Aberglauben, Wahnsinn, wenn Sie diesen Tod und Ihre Oper zusammenreimen!"

"Unser Streit macht sie nicht wieder lebendig", sagte der Alte mit Tränen. "Glauben Sie, was Sie wollen, Verehrter! ich werde es, wie ich es weiß, in meiner Opernchronik notifizieren. Es hat so kommen müssen!"

"Nein!" erwiderte der Major beinahe wütend, "nein, hat nicht so kommen müssen; ein Wort von mir hätte sie vielleicht gerettet. Bringen Sie mir um Gottes willen Ihren 'Othello' nicht ins Spiel; es ist Zufall, Alter; ich will es haben, es ist Zufall!"

"Es gibt, mit Ihrer Erlaubnis, keinen Zufall; es gibt nur Schickung. Doch ich habe die Ehre, mich zu empfehlen, denn hier ist meine Behausung. Glauben Sie übrigens, was Sie wollen", setzte der Alte hinzu, indem er die kalte Hand des Majors in der seinigen preßte, "das Faktum ist da, sie starb—acht Tage nach 'Othello'."

Ende diese Projekt Gutenberg Etextes Othello, von Wilhelm Hauff.