Ja, so ersteht ein freies Vaterland;
O Bruderbund, dies hast du dir erkoren!
Hebt in die Lüfte auf die treue Hand,
Dem Vaterlande sei es fest geschworen!
O schöne Saat! Der junge Stamm erblüht,
Und schützend ragt er auf wie Deutschlands Eichen;
Blüh', schöner Stamm, die Sonne kommt, die Schatten weichen,
Und fern dahin die dunkle Wolke zieht.
II.
1823.
Ferne in der fremden Erde
Ruhet ihr bei euerm Schwerte
In des Todes sichrer Hut;
Heil'ger Frieden
Lohnt euch Müden,
Nach des Tages heißer Glut.
Frankreichs Adler saht ihr fallen,
Hörtet Siegesdonner schallen,
Als der Tod das Auge brach.
Heil euch Lieben,
Träumet drüben
Von der Freiheit goldnem Tag.
Selig preis' ich eure Lose
In der Erde kühlem Schoße.
Ach, ihr saht der Freiheit Licht,
Saht sie steigen
Ueber Leichen –
Doch sie sinken saht ihr nicht.
Fern von eurem Siegestale
Denken wir beim Todesmahle
Innig eurer Siegerschar,
Und wir gießen,
Euch zu grüßen,
Tränen auf den Festaltar.
III.
1824.
So nahst du wieder, holde Siegesfeier,
Die unsre Brust mit süßen Träumen füllt,
Die mit der Freude dichtgewebtem Schleier
Das trübe Bild der Gegenwart verhüllt:
Du nahst – und alle Herzen schlagen freier,
Gesang und Jubel tönet durchs Gefild,
Und meiner Brüder frohe Blicke sagen:
»Es war mein Volk, das diese Schlacht geschlagen!«
Es war mein Volk, und nicht die frohen Binden
Von Eichlaub sollten schmücken das Gelag;
Wohl sollten wir Zypressenkränze winden
Um mancher Hoffnung frühen Sarkophag;
Doch – den Gefallnen laßt uns Kränze winden,
Und einmal noch am frohen Siegestag,
Weil rings um uns des Sieges Früchte welken,
Laßt uns in der Erinnrung Träumen schwelgen.