Staunend über diesen ganzen Vorfall, besonders über die letzten Worte des Ministers, trat Reelzingen in sein Zimmer. Er fand den Freund bleich und verstört, die Arme über die Brust gekreuzt, das Haupt kraftlos auf die Brust herabgesunken. »Nun, sag mir ums Himmels willen,« fing der Kapitän an, indem er vor Gustav stehen blieb, »was wollte er bei dir? warum ließ er dich verhaften? Was hat sein Besuch zu bedeuten?«
»Er kam, um mir zu gratulieren,« antwortete er mit sonderbarem Lächeln.
»Zu gratulieren? Wozu? Daß du eine Nacht auf der Wache zubrachtest?«
»Nein, weil ich in dieser Nacht Expeditionsrat geworden bin.«
»Du?« rief der Kapitän lachend. »Gottlob, daß du so heiter bist und scherzen kannst; als ich hereintrat und dich sah, glaubte ich dich nicht so spaßhaft zu finden; aber im Ernst, Freund, was wollte der Jude?«
»Ich sagte es ja, und es ist Ernst; zum Rat hat er mich gemacht. Ist das nicht ein schönes Avancement?«
Der Kapitän sah ihn mit zweifelhaften Blicken lange an; endlich sagte er gerührt: »Nein, du kannst nicht auch zum Schurken werden, Gustav; Gott weiß, wie dies zusammenhängen mag! Aber siehe, wenn ich dich nicht so lange und so genau kennte – glaube mir, die Welt wird dich hart beurteilen; doch nein, du lächelst, gestehe, es ist alles Scherz. Expeditionsrat! Ebensogut könntest du seine Schwester heiraten.«
»Ei, das wird ja auch geschehen,« sagte Lanbek düster lächelnd; »in vier Wochen, meint mein Schwager, soll die Hochzeit sein.«
»Tod und Hölle!« fuhr der Kapitän auf, »mach mich nicht rasend mit diesen Antworten. Wahrhaftig, mit solchen Dingen ist nicht zu spaßen.«
»Wer sagt dir denn, daß ich spaße?« erwiderte Lanbek, indem er langsam aufstand. »Es ist alles so, wie ich sagte, auf Ehre!«