»Still von diesen Dingen,« unterbrach sie die Fürstin ernst, beinahe unmutig; »man sollte nicht von Dingen so leichthin reden, die man nicht leugnen kann, und deren Natur dennoch nie erklärt werden wird. So ist nun einmal auch mein Othello,« setzte sie freundlich hinzu. »Und Sie werden ihn nicht zu sehen bekommen, Baron, und müssen Ihr Lieblingsstück schon wo anders aufsuchen.«

»Und Sie sollen ihn dennoch sehen,« flüsterte Sophie zu ihm hin, »ich muß mein Desdemonalied noch einmal hören, so recht sehen und hören auf der Bühne, und sollte ich selbst darüber zum Opfer werden!«

»Sie selbst?« fragte der Fremde betroffen; »ich höre ja, der gespenstige Mohr soll nur brennen, nicht töten

»Ach, das war ja nur das Gleichnis der Mutter!« flüsterte sie noch viel leiser, »die Sage ist noch viel schauriger und viel gefährlicher.«

Der Kapellmeister pochte, die Introduktion des zweiten Akts begann, und der Fremde stand auf, die fürstliche Loge zu verlassen. Die Herzogin hatte ihn gütig entlassen, aber vergebens sah er sich nach dem Gesandten um, er war wohl längst in seine Loge zurückgekehrt. Unschlüssig, ob er rechts oder links gehen müsse, stand er im Korridor, als eine warme Hand sich in die seinige legte; er blickte auf, es war der Graf Zronievsky.


3.

»So habe ich doch recht gesehen?« rief der Graf, »mein Major, mein tapferer Major! Wie lebt alles wieder in mir auf! Ich werfe diese unglücklichen dreizehn Jahre von mir; ich bin der frohe Lancier wie sonst! Vive Poniatowsky, vive l'emp–«

»Um Gottes willen, Graf!« fiel ihm der Fremde in das Wort; »bedenken Sie, wo Sie sind! Und warum diese Schatten heraufbeschwören? Sie sind hinab mit ihrer Zeit; lasset die Toten ruhen!«