Man setzte sich verstimmt zu Tische. Der Baron verbiß seinen inneren Grimm über die fehlgeschlagene Hoffnung und den wahrscheinlichen Verlust des Kapitals, er trank viel Wein und exaltierte sich zu schlechten Scherzen. Josephe war noch bleicher als gewöhnlich; sie besorgte still ihr Amt als Hausfrau, und nur Fröben wußte einigermaßen ihre Gefühle zu deuten, denn sie vermied es, ihn anzusehen. Ihm quoll der Bissen im Munde; er sah den Unmut einer getäuschten Hoffnung in den Mienen seines Freundes, er sah den Mut, die Entschlossenheit und doch wieder die unverkennbare Angst auf den Mienen der schönen Frau, es war ihm zuweilen, als sei mit ihm erst das Unglück über dieses Haus hereingebrochen. Das Gespräch schlich während der Tafel nur mühsam und stockend hin, doch als das Dessert aufgetragen war und die Diener auf Josephens Wink sich entfernt hatten, holte sie einigemal mühsam Atem, ihre Wangen färbten sich röter, und sie sprach:
»Du hast heute früh eine recht sonderbare Unterhaltung zwischen mir und deinem Freunde versäumt. Schon oft, wie du weißt, klagten wir über Mangel an Verwandtschaft von meiner Seite, jetzt scheint mir auf einmal ein neues Licht aufzugehen, denn er bringt uns ja viele und angesehene Verwandte ins Haus.«
Verwundert und fragend sah Faldner seinen Freund an; dieser war im ersten Augenblicke etwas betroffen, doch hier galt es, mit Umsicht zu handeln. Wunderbar fühlte er in diesem Augenblicke das Uebergewicht eines Mannes von Welt über die niedere, beinahe rohe Denkungsart eines Baron Faldner, und mit mehr Gelassenheit, mit weiser Benützung der Umstände erzählte er die sonderbare Geschichte des Bildes und seiner Bekanntschaft mit Don Pedro.
Gegen alle Erwartung wurde der Baron zusehends heiterer während der Erzählung. »Ei – sonderbar,« waren die einzigen Worte, die ihm hie und da entschlüpften, und als Fröben geendet hatte, rief er: »Was ist klarer als dies? Donna Laura Tortosi und Laura von Tortheim, der Schweizer Kapitän Tannensee und dein Vater sind dieselben. Und reich sagst du, lieber Fröben, reich ist der Haushofmeister? Begütert, unverheiratet und hegt noch die alte Vorliebe für seine Dulcinea von Valencia? Ei der Tausend! Josephchen, da könnte es ja noch eine reiche Erbschaft von Piastern geben!«
Josephe hatte wohl diese Aeußerung nicht erwartet; der Gast sah ihr an, daß sie dieses gemeine Wort lieber ohne Zeugen gehört hätte; aber eine drückende Last schien sich dennoch ihrem Busen zu entladen, sie drückte die Hand ihres Gatten, vielleicht nur, weil er ihr diesmal weniger Bitteres gesagt hatte als sonst, und ziemlich aufgeheitert sagte sie: »Mir selbst scheint in dem sonderbaren Zusammentreffen unseres Freundes mit dem Spanier eine eigene Fügung des Schicksals zu liegen; ja ich glaube sogar, daß es spanische Lieder waren, die hie und da meine Mutter, wenn sie einsam war, zur Laute sang. Ja vielleicht kommt es eben daher, daß ich nicht in eurem Glauben erzogen wurde, obgleich mein Vater, wie ich bestimmt weiß, reformierten Glaubens war. Nun, das beste ist, unser Freund schreibt an Don Pedro.«
»Ja, tu mir den Gefallen,« sagte Faldner; »schreibe an den alten Don, seine Laura habest du nicht gefunden, aber offenbar ihre Tochter; es könnte doch zu etwas führen, du verstehst mich schon; wem will er auch seinen Mammon vermachen als dir, du Goldkind? Ich habe es ja immer gesagt, und auch zur Gräfin Landskron sagt' ich es, als ich um dich anhielt, wenn sie auch nicht viel, eigentlich gar nichts hat, mit ihr kommt Segen in mein Haus. Und haben wir da nicht den Segen? Wie hoch, sagtest du, daß du den Spanier schätzest?«
17.
Der Baron hatte frische Flaschen befohlen, und Josephe stand bei den letzten Worten auf und entfernte sich. Unbegreiflich war Fröben, wie unzart sein Freund mit dem holden, edlen Wesen verfuhr, er fühlte, wie sie sich vor ihm der Gemeinheit ihres Gatten schäme, er fühlte es und antwortete daher ziemlich unmutig: »Was weiß ich; meinst du denn, ich frage die Leute, mit denen ich umgehe, wie ein Engländer. Wieviel wiegst du?«