»Ihr schüttelt den Kopf, Alter? Tadelt Ihr meine Freude an Euren alten Gesellen? Da, nimm diesen Römer, alter Mensch, trink auf das Wohlsein dieser Zwölfe! Komm, stoß an, sie sollen leben!«

»Gott soll mich bewahren, daß ich einen Tropfen trinke in dieser Nacht,« erwiderte er; »man soll mit dem Teufel kein Spiel treiben. Aber wenn Ihr sie alle durchgekostet, wollen wir weiter gehen. Mir graut in diesem Keller.«

»Gute Nacht denn, ihr alten Herren vom Rheine, gute Nacht und herzlichen Dank für euer Labsal. Und wenn ich dir, mein ernster feuriger Judas, wenn ich dir, mein sanfter lieblicher Andreas, dir, mein Johannes, dienen kann, so kommt, kommt zu mir.«

»Herr des Himmels!« unterbrach mich der Alte und schlug die Türe zu und drehte hastig die Schlüssel um, »seid Ihr von den paar Tropfen schon betrunken, daß Ihr den Teufel heraufschwört? Wißt Ihr denn nicht, daß die Weingeister aufstehen diese Nacht und einander besuchen, wie immer am ersten September? Und sollt' ich meinen Dienst verlieren, ich laufe davon, wenn Ihr noch solche Worte sprecht. Noch ist es nicht zwölf Uhr, aber kann denn nicht alle Augenblick einer aus dem Faß kriechen mit greulichem Gesicht und uns zu Tode schrecken?«

»Alter, du faselst! Doch sei ruhig, ich will kein Wort mehr sprechen, daß deine Weingespenster nicht wach werden. Doch jetzt führe mich zur Rose.« Wir gingen weiter, wir traten ein in das Gewölbe, in das Rosengärtlein von Bremen. Da lag sie, die alte Rose, groß, ungeheuer, mit einer Art von gebietender Hoheit. Welch ungeheures Faß! und jeder Römer ein Stück Goldes wert! Anno 1615! Wo sind die Hände, die dich pflanzten! Wo die Augen, die sich an deiner Blüte erfreuten, wo die fröhlichen Menschen alle, die dir zujauchzten, edle Traube, als man dich abschnitt auf den Höhen des Rheingaus, als man deine Hüllen abstreifte und du als goldener Born in die Kufe strömtest? Sie sind dahin, wie die Wellen des Stromes, der an deinem Rebenhügel hinabzog. Wo sind sie, jene alten Herren der Hansa, jene würdigen Senatoren dieser alten Stadt, die dich pflückten, duftende Rose, dich verpflanzten in diese kühlen Räume zum Labsal ihrer Enkel? Gehet hinaus auf Angarii Friedhof, gehet hinauf zur Kirche Unserer Lieben Frauen und gießet Wein auf ihre Grabsteine! Sie sind hinunter, und zwei Jahrhunderte mit ihnen!

»Nun auf euer Wohlsein, alte Herren von Anno 1615, und auf das Wohl eurer würdigen Enkel, die so gastfreundlich dem Fremdling die Hand und dieses Labsal boten!«

»So! Und jetzt gute Nacht, Frau Rose!« setzte der alte Diener freundlicher hinzu, indem er sein Körbchen zusammenräumte. »Jetzt gute Nacht und Gott befohlen; hier heraus, nicht dort um die Ecke, hier heraus geht der Weg aus dem Keller, wertgeschätzter Herr. Kommt, stoßet Euch nicht hier an die Fässer, ich will Euch leuchten.«

»Mit nichten, Alter,« erwiderte ich, »jetzt geht das Leben erst recht an. Das alles war nur der Vorschmack. Gib mir Zweiundzwanz'ger Ausstich, so etwa zwei bis drei Flaschen in das große Gemach dort hinten. Ich hab' ihn grünen sehen diesen Wein und war dabei, als sie ihn kelterten; hab' ich das Alter bewundert, so muß ich meiner Zeit nicht minder ihr Recht antun.«

Er stand da mit weit geöffneten Augen, der Jammermensch; er schien seinen Ohren nicht zu trauen. »Herr,« sprach er dann feierlich, »sprechet nicht solch gottlosen Scherz. Heute nacht wird nun und nimmermehr was daraus; ich bleibe um keine Seligkeit.«