»Doch hat daselbst vor allen
Eine Jungfrau mir gefallen.«
Der Worte des fröhlichen Bacchus eingedenk und von Sehnsucht der Liebe getrieben, ging ich, nachdem ich einige Stunden geschlummert, der Holden guten Morgen zu sagen. Aber kalt und zurückhaltend empfing sie mich, und als ich ihr einige innige Worte zuflüsterte, wandte sie mir laut lachend den Rücken zu und sprach: »Gehen Sie und schlafen Sie erst fein aus, mein Herr.«
Ich nahm den Hut und ging, denn so schnöde war sie nie gewesen. Ein Freund, der in einer andern Ecke des Zimmers am Klavier gesessen, ging mir nach und sagte, indem er wehmütig meine Hand ergriff: »Herzensbruder, mit deiner Liebe ist es rein aus auf immerdar, schlage dir nur gleich alle Gedanken aus dem Sinne.«
»Soviel ungefähr konnte ich selbst merken,« antwortete ich. »Der Teufel hole alle schönen Augen, jeden rosigen Mund und den törichten Glauben an das, was Blicke sagen, was Mädchenlippen aussprechen.«
»Tobe nicht so arg, sie hören es oben,« flüsterte er; »aber sag' mir um Gottes willen, ist es denn wahr, daß du heute die ganze Nacht im Weinkeller gelegen und getrunken hast?«
»Nun ja, und wen kümmert es denn?«
»Weiß der Himmel, wie sie es gleich erfahren hat, sie hat den ganzen Morgen geweint und nachher gesagt, vor einem solchen Trunkenbold, der ganze Nächte beim Wein sitze und aus schnöder Trinklust ganz allein trinke, solle sie Gott behüten. Du seiest ein ganz gemeiner Mensch, von dem sie nichts mehr hören wolle.«
»So?« erwiderte ich ganz gelassen und hatte einiges Mitleiden mit mir selbst. »Nun gut, geliebt hat sie mich nie, sonst würde sie auch mich darüber hören; ich lasse sie schön grüßen. Lebe wohl!«
Ich rannte nach Hause und packte schnell zusammen und fuhr noch denselben Abend von dannen. Als ich an der Rolandsäule vorüberkam, grüßte ich den alten Recken recht freundlich, und zum Entsetzen meines Postillons nickte er mir mit dem steinernen Haupt einen Abschiedsgruß. Dem alten Rathaus und seinen Kellerhallen warf ich noch einen Kuß zu, drückte mich dann in die Ecke meines Wagens und ließ die Phantasieen dieser Nacht noch einmal vor meinem Auge vorübergleiten.