»O du gutes Kind,« fuhr er fort, indem er sie in seine Arme schloß, »wie unrecht habe ich dir vorhin getan! Als ich in dieses Zimmer trat, glaubte ich, du habest mich tief gekränkt, und doch hast du mich so unendlich erfreut! – Kennst du ihn, Hans?« wandte er sich an seinen Diener. »Kennst du ihn nicht wieder?«

»Gott straf' mich, er ist's!« erwiderte der alte Reitknecht. »Solche schreckliche Augen machte er gegen die fünf Buschklepper, die uns auszogen, o das war ein braver Herr!«

Die, welche den Herrn und seinen Diener so sprechen hörten, konnten sich von ihrem Staunen kaum erholen, sie sahen sich lächelnd an, als ahnten sie eine sonderbare Fügung des Geschicks, als sei ein schweres Gewitter segnend über ihnen hinweggezogen. Der General aber, der bald Anna, bald das Bild mit blitzenden Augen betrachtet hatte, trat näher heran und fragte den alten Thierberg, wen er denn in diesem Bilde wiedererkenne?

»Das ist derselbe treffliche Kapitän,« antwortete er, »der mich am Fuß des St. Bernhard aus der Gewalt ruchloser Soldaten errettete; wie? Er ist derselbe, von welchem ich Ihnen so oft erzählte; das Muster eines braven Mannes, eines gebildeten und klugen Soldaten.«

»Nun, so bitte ich Sie,« fuhr der General mit inniger Rührung fort, indem auch ihm eine Träne im Auge schwamm, »ich bitte Sie im Namen dieses Mannes, den ich auch kannte, Sie mögen ihm vergeben, wenn er nachher anders handelte, als Sie damals dachten!«

»Wie? Sie haben ihn gekannt?« rief der Alte dringend, indem er die Hand des Generals faßte, »wer war er, wie heißt er, lebt er noch?«

»Er ist tot – seinen Namen kannte die Welt – dieser Mann hier ist –«

»Nun?« drängte der Alte den General, dem die Stimme zu brechen schien. »Wer? Doch nicht –«

»Dieser Mann,« rief der General mit einem feurigen Blick auf das Gemälde, »dieser Mann war – Napoleon Bonaparte, der Kaiser der Franzosen.«