»Jammere nur nicht so!« sprach der Alte gerührt. »Geh hinauf, wenn du es nicht lassen kannst; aber bleibe nicht da, wenn sie vorlesen; du ärgerst dich! Komm zu mir!«

»Ich komme,« erwiderte der jüngere nach einigem Nachsinnen. »Um zehn Uhr will ich kommen. Wohin?«

»Heute in den Entenzapfen, im Rosmarin ist heilloses Volk, Schneider und Schuster und die Affen und Bären aus den Druckereien, es ist heute Montag. Aber Brüderchen, im Entenzapfen ist Cerevis, man trinkt es in Augsburg nicht besser.«

Ein Wagen mit hellglänzenden Laternen rollte in diesem Augenblick auf das Haus zu, der junge Mann sagte eilig zu, und der Alte schlich langsam die Straße hin. Der Stallmeister konnte sich kaum von seinem Erstaunen erholen. Wer konnte aus so sonderbarer Gesellschaft in den Tanzsaal seines Oheims kommen? Noch sonderbarer schien es ihm, daß man diesen glänzenden Klub, der alle geistreiche und noble Welt der Stadt vereinigte, verlassen wollte, um in dem Entenzapfen Bier zu trinken, in einer Winkelkneipe, die er kaum dreimal von seinen Stallknechten hatte rühmen gehört. Er setzte dem sonderbaren Gast, der flüchtig die Treppe hinaneilte, nach, er holte ihn im hell erleuchteten Korridor ein, er ging an ihm vorüber, sah sich um und erblickte das düstere Auge und die markierten Züge des Referendärs Palvi.

Verworrene Gedanken flogen vor seiner Seele vorüber, als er ihn erkannte; seine Worte: »Ich muß sie sehen,« der Wink des Buchhändlers, Palvi sei früher in einem Verhältnis zu Elisen gestanden, Staunen über die sonderbaren Reden mit dem Alten, wunderliche Sagen, die er früher über diesen Palvi vernommen, alle diese Gedanken wollten auf einmal zur Klarheit dringen und machten, daß er sich vornahm, über eines wenigstens sich diesen Abend Gewißheit zu verschaffen, über sein Verhältnis zu Elisen.


4.

Der größte Teil der Gesellschaft hatte sich schon versammelt, als die jungen Männer eintraten. Des Stallmeisters scharfes Auge durchirrte den Damenkreis, der an den Wänden hin sich ausbreitete; er fand endlich Elisen an einem fernen Fenster im Gespräch mit seiner Tante; aber ihr schönes Gesicht hatte nicht den Ausdruck von Heiterkeit und Laune, die er sonst so gerne sah, sie lächelte nicht, sie schien verstimmt. Es kostete ihn einige künstlich angeknüpfte Gespräche, einige Neuigkeiten vom Hofe, im Vorübergehen erzählt, um sich an jenes Fenster durchzuwinden.

Die Tante sprach so eifrig, Elise hörte so aufmerksam zu, daß er endlich die herabhängende Hand der Tante erfassen und ehrerbietig küssen mußte, um sich bemerklich zu machen. Elisens Wangen glühten, als sie ihn erblickte, und die Tante rief staunend: »Wie gerufen, Julius! Ich sprach soeben mit dem Fräulein von dir, du kannst dir etwas darauf einbilden, so gut wird es dir nicht alle Tage.«