Der Stallmeister suchte vergebens seine Bewegung zu verbergen. Eine hohe Röte lag auf seinem Gesicht, und sein Auge hing voll Erwartung an den Lippen Palvis.
»Beruhigen Sie sich,« sagte dieser, als er den unangenehmen Eindruck bemerkte, den seine Erzählung auf den jungen Mann machte. »Fürchten Sie nichts, ich werde bald zu Ende sein. Ich war glücklich und zufrieden; ich kannte ihre Vorliebe für Poesie, und die Liebe ermutigte mich, einen Versuch zu wagen, der mich ihr noch werter machen sollte. Ich strengte alle meine Kräfte an, um sie mit etwas Gelungenem zu überraschen. Da brachte man mir eines Tages einen Brief. Ich erkannte ihre Züge, ich riß ihn auf und – sie schrieb mir mit kurzen, aber heftigen Worten, daß sie sich auf ewig von mir lossage, daß sie mich in tiefster Seele verachte; warum? werde mir mein eigenes Gewissen sagen. Ich versuchte mancherlei Wege, um mich ihr zu nahen, mein Gewissen sprach mich von irgend einem Fehler gegen die Geliebte frei, darum wollte ich mir Gewißheit über das Warum verschaffen. Doch sie wich überall aus, und noch heute – heute abend in jenem Zirkel hat sie alle meine Hoffnungen zertrümmert.«
In dem edelmütigen Herzen des jungen Rempen siegte jetzt Mitleiden über jedes andere Gefühl. Er faßte die Hand des unglücklichen, ihm so interessanten Mannes; er gelobte ihm, bei Elisen für ihn zu sprechen, sie um die Ursache ihres Betragens zu befragen.
Aber jener erwiderte mit dem Stolze, den unverdiente Kränkung gibt: »Vertrauen ist die erste Bedingung der Liebe. Wo Vertrauen fehlt, da war nie Liebe, oder sie ist jedem Zufall ausgesetzt. Ich habe Elisen auf immer verloren, selbst wenn sie mich wieder lieben würde.«
»Und in diesem Zustand wollen Sie hier fortleben?« fragte Rempen, seine Hand ergreifend; »wollen Elisen sehen und dabei immer fühlen, daß Sie verachtet sind?«
»Nein, gewiß nicht,« erwiderte jener mit düsterem Lächeln; »mein Geschäft in dieser Stadt ist zu Ende. Es bleibt mir nur noch übrig, die Geliebte vor Menschen zu warnen, die ihrer nicht wert sind. Diesen literarischen Pöbel, der ihr so unendlich wert scheint, will ich noch vor ihren Augen entlarven; und ich glaube ihr damit nützlich zu sein, denn die Stellung, die Elise jetzt eingenommen, würde sie später nimmer glücklich machen. Sie selbst werden mir dazu helfen, mein Freund; schlagen Sie ein, wir wollen unsere Penelope von diesen Freiern erretten.«
»Wohlan!« rief der Stallmeister, indem er aufbrach, »vielleicht findet sich morgen schon Gelegenheit, wenn uns die letzten Ritter von Marienburg versammeln; aber dann,« setzte er entschlossen hinzu, »noch einen Versuch, um auch Sie glücklich zu machen!«